Ich hatte mit Andres ausgemacht, dass ich so gegen 10 Uhr bei ihm auftauchen würde – nun war es kurz nach 8 Uhr und ich versuchte mein Glück. Dieses blieb mir hold, und Andres öffnete mir noch etwas verschlafen die Tür zu meiner Bleibe für die nächsten Wochen.
Ich mag Andres. Wir schleppten meine Koffer in den fünften Stock, er war gerade dabei, die seinen zu packen. Ich hängte mich aufs Sofa und las. Etwas später liefen wir los, durch die Nachbarschaft und gönnten uns einen Kaffee, bevor wir in die Bibliothek gingen. Grund: dort gab es gratis Wireless Internet Zugang. In der Bibliothek waren einige Obdachlose am Lesen und Surfen, hinten in einer Ecke hatte sich ein anderer zum Nickerchen verkrochen. Eine wirklich soziale Einrichtung, und das meine ich nicht sarkastisch.
Kleine Notiz am Rande: ich erkundigte mich nach der „Business Buch“ Abteilung und erfuhr, dass diese mit der Zahl 600 am Regal gekennzeichnet sei. Das ist schon ziemlich doof und ineffizient, da niemand weiss was 600 bedeutet. Ich wollte wissen, wo ich denn das Mapping zwischen den Zahlen und den dahinterliegenden Schwerpunkten machen könne. Das hätten sie abgeschafft, ich müsse mich jeweils erkundigen. Auch ein Weg, seinen Arbeitsplatz in Zeiten der Not zu „sichern“.
Nach einem Lunch bei „Quantum Leap“, einem vegetarischen Restaurant um die Ecke, erkundete ich das East Village auf eigene Faust. Oberhalb der Wohnung entdeckte ich die "Dachterasse", die mir an sonnigen Tagen sicher eine gute Option sein wird.
Inzwischen war auch Jeff da, mit dem das Appartment geteilt wird, und kochte sich gerade Pasta zum Abendessen - wir verzichteten. Andres hatte mit einem Freund abgemacht und nahm mich mit. Wir fuhren nach Brooklyn raus, wo wir Augosto trafen. Im Restaurant Dumont gab es ein feines Dinner und angenehme Unterhaltung, zufrieden fuhr ich zurück nach Manhattan. Ich hatte gerade die Erkenntnis gewonnen, dass meine Greencard die „Wildcard“ in meinem Leben ist.

