An was anderes konnte ich dabei denken als an die unzähligen Einwanderer, welche ein paar Jahrzehnte vor mir auf Ellis Island abgefertigt wurden – den meisten wurde die Einreise gestattet, wer Pech hatte wurde auf das nächste Schiff retour in die Heimat verfrachtet. Die Ärzte waren damals konditioniert, Krankheiten schon von weitem zu erspähen und fertigten die Einwanderer im Sekunden-/Minutentakt ab.
Die letzte Woche an Bord hat mir gut getan. Der traditionelle Backpacker sucht Authentizität, gewürzt mit etwas Strapazen und einer Prise Verzicht. Meine Reise an Bord des grössten Ocean Luxusliners der Welt würde da ein müdes Lächeln ernten, obwohl gar nicht so weit davon entfernt.
„Ich beneide Dich. Ich möchte das auch machen.“, habe ich in den letzten Wochen unzählige Male gehört. Sicher, eine Menge werde ich entdecken, doch dass ich wieder einmal die Komfortzone verlassen habe bringt auch einen Haufen offener Fragen mit sich, die ich lösen muss. Live will never be the same again – me neither.
Ich hatte mich für den Selbst Checkout angemeldet, wo man die Koffer eigenhändig schleppen muss. Vorher gab es noch ein letztes Mal ein ausgiebiges Frühstück, und ich wollte ich noch ein Foto von mir und der Skyline schiessen lassen. Susan und Sarah übernahmen diese Aufgabe. Die zwei britischen Girls hatten Nicolas und ich kürzlich im Nightclub G32 an Bord kennen gelernt, nachdem sie schon einige Vodkas intus gehabt hatten. Der erwähnte Nicolas ist ein 60ig jähriger Italiener, von Beruf Songwriter, der seine „Mami“ in Kanada besucht – und da er nicht gerne fliegt mit QM2 und Greyhound Bus unterwegs ist.
Anyway, ich hatte mein Foto – geschüttelt und nicht gerührt, wie sich später herausstellte. Drum hier ein Lückenfüller.
Dann kam auch schon die Lautsprecherdurchsage dass es nun von Bord geht und ich hetzte los. Mein Gepäck war schwer, alles zusammen wohl gegen die 60 Kilo. Ich stellte mich bei der Immigration bei den „US Citizens“ an und kam sofort an die Reihe.
Leicht zitterig begrüsste ich Javier und erkundigte mich nach seinem Befinden. Ich war mir nicht sicher, ob ich nur des schweren Gepäcks wegen schwitzte, auf jeden Fall wurden meine Fingerabdrücke erst beim zweiten Anlauf erkannt. Javier war äusserst freundlich und beruhigte mich, dass alles in Ordnung sei als er meinen „Status“ anpassen musste – beim Check In in Southampton sei wohl etwas falsch erfasst worden.
Mit „Welcome back home, Sir!” verabschiedete er mich wenige Minuten später. Ich hätte ihn am liebsten umarmt, hielt mich aber zurück und wünschte einen schönen Tag.