...wenn ich das Kleingeld hätte...
Die Gischt sprühte einen Regenbogen nach dem anderen vor dem Fenster hin, die Wellen gaben sich dem Spiel mit dem tiefen Blau hin. Immer in Bewegung, rastlos, stets bemüht den Betrachter ins Staunen zu versetzen, wie flüssiges Gold, die Oberfläche vom Wind zerzaust, jede Ebene und Falte von der gleissenden Sonne ausgeleuchtet – wenn das keine Poesie ist.
Im Gegenlicht der Neonlampe prasseln die Regentropfen auf die Scheibe hernieder und jagen sich beim Herunterlaufen. Das wohlige Gefühl des Seins stellt sich ein, einverstanden ich bin (würde Yoda sagen).
Wie erwartet hatte es vor allem ältere Semester an Board, dank der Osterferien aber auch einige Jüngere und Familien mit Kids. Die Osterdekoration bestand aus Scherenschnitten, der Schoggihase auf der Bühne lässt die Musiker schmelzen.
Garry hat ein nettes Schild an seine Brust geheftet, darauf steht: Garry – Gentlemen Dance Host. Tanzen ist auf dem Schiff ganz gross. Die Luft im Ballroom flirrte vor Bedachtsamkeit. Oma und Opa springen wie junge Rehe über die Tanzfläche, ich bekam es fast mit der Angst zu tun. Keuchend und zufrieden lassen sie sich nach dem Tanz in den Sessel plumpsen, dieser alten Klapperkiste von Körper haben wir es wieder mal gezeigt wer hier das sagen hat. Wunderbares Leben.
„Travelling alone?“, wollte der Brite am Nebentisch wissen. So fragten wir hin und her. Er bereue manchmal, dass er seine 3 Kinder in die Welt gesetzt habe. Der Terrorismus und die Regierung, und die Krise, und früher oder später werde es einen Anschlag mit Atomwaffen geben, doch – er bereue es. Hallooo, kann da jemand ein bisschen Vernunft einhaemmern.
Die Klunkerbeladenen Franzosen trinken Perrier. In der Bibliothek wird lautstark der Bildband besprochen. Während der Jazz ab Konserve mich einlullt, hänge ich im Sessel des Churchill Klubs. Es ist ruhig, abgesehen von den Deutschen und dem Klappern der Tassen.
Die besten Kleider wurden in überdimensionale Koffer gepackt, der funkelndste Schmuck mitgebracht – auch wenn das nicht dabei hilft, vom biologischen Reifeprozess abzulenken, so finde ich es schön wenn Menschen auf ihr Äusseres und das Befinden ihrer Mitmenschen achten. Fast jeden Abend war Anzug und Abendkleid angesagt. Traditionalisten verzichteten auf den Smoking und kamen im schottischen Kilt daher. Andere schnallten sich nach dem Essen möglichst bald wieder ein verwaschenes Mötorhead T-Shirt und Jeans an.
Die Liebe ist in einigen Fällen dorthin gefallen, wo die Bäume dicke Banknoten tragen. Anders kann ich mir beim besten Willen keinen Reim machen. Ehrlich, bei allen Klettertouren zu der Liebe fähig ist. Wer will kann auch sein Eheversprechen an Bord erneuern.
Was Wikipedia weiss: Die Cunard Reederei wurde von Sir Samuel Cunard gegründet, einem kanadischem Geschäftsmann. 1840 segelte das erste Dampfschiff Brittania unter seiner Flagge von Liverpool (England) nach Boston (USA). Heute sind noch die Queen Mary 2 sowie die Queen Victoria im Einsatz, eine neue Queen Elizabeth wird im Herbst 2010 ausgeliefert.
Schauen wir uns mal die Diversität der Gäste an Board an:
Grossbritannien: 1342
USA: 483
Deutschland: 250
Kanada: 94
Frankreich: 73
Schweiz: 49
Australien: 39
Irland: 38
Schweden: 21
Spanien: 13
Österreich: 12
Belgien: 10
Italien, Mexico, Niederlande: je 8
Dänemark, Japan: je 7
Finnland: 5
Bahamas, Neuseeland: je 4
Brasilien, Barbados, Kroatien, Indien, Singapur: je 3
Ungarn, Norwegen, Russland, Südafrika: je 2
Costa Rica, Monacco, Estland, Griechenland: je 1
Total: 2503
...und dann sind noch etwa halb so viele Angestellte wie Gäste auf dem Schiff.
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