Mittwoch, April 22, 2009

American Adventure: meine Bleibe im East Village ist ein Volltreffer

Ausserhalb des Hafenterminals wartete ich auf ein gelbes Taxi („Yellow cab“). Die Schlange war bereits ziemlich lang, die Lautsprecherdurchsage wiederholte alle Minuten dass für den schnellsten Transfer in die City die Autos auf der linken Seite zur Verfügung stehen und die Yellow Cabs auf der rechten Seite ankommen würden. Ich wartete stoisch, und tatsächlich kam der Russe Igor Meyman, seit 20 Jahren in den USA, und pickte mich auf. Das Warten lohnte sich, ich zahlte für die Fahrt nach Downtown 25$, knapp die Hälfte als wenn ich den „schnellen Transfer“ genommen hätte.

Ich hatte mit Andres ausgemacht, dass ich so gegen 10 Uhr bei ihm auftauchen würde – nun war es kurz nach 8 Uhr und ich versuchte mein Glück. Dieses blieb mir hold, und Andres öffnete mir noch etwas verschlafen die Tür zu meiner Bleibe für die nächsten Wochen.

Ich hatte auf der Webseite http://www.roomorama.com sein Zimmerangebot gesehen, wir Skypten eine halbe Stunde lang um uns zu beschnuppern und die Modalitäten festzulegen und waren beide zufrieden. Für 66$/Nacht hatte ich inmitten von Manhatten die Hälfte eines Appartments mit allem Drum und Dran, und er musste sein Zimmer während seinem Trip nach Istanbul und Tel Aviv nicht Leerstehen lassen. Coole Sache, passt mir bestens hier. Allenfalls kann ich auch noch eine Weile verlängern, we will see.

Ich mag Andres. Wir schleppten meine Koffer in den fünften Stock, er war gerade dabei, die seinen zu packen. Ich hängte mich aufs Sofa und las. Etwas später liefen wir los, durch die Nachbarschaft und gönnten uns einen Kaffee, bevor wir in die Bibliothek gingen. Grund: dort gab es gratis Wireless Internet Zugang. In der Bibliothek waren einige Obdachlose am Lesen und Surfen, hinten in einer Ecke hatte sich ein anderer zum Nickerchen verkrochen. Eine wirklich soziale Einrichtung, und das meine ich nicht sarkastisch.

Kleine Notiz am Rande: ich erkundigte mich nach der „Business Buch“ Abteilung und erfuhr, dass diese mit der Zahl 600 am Regal gekennzeichnet sei. Das ist schon ziemlich doof und ineffizient, da niemand weiss was 600 bedeutet. Ich wollte wissen, wo ich denn das Mapping zwischen den Zahlen und den dahinterliegenden Schwerpunkten machen könne. Das hätten sie abgeschafft, ich müsse mich jeweils erkundigen. Auch ein Weg, seinen Arbeitsplatz in Zeiten der Not zu „sichern“.

Nach einem Lunch bei „Quantum Leap“, einem vegetarischen Restaurant um die Ecke, erkundete ich das East Village auf eigene Faust. Oberhalb der Wohnung entdeckte ich die "Dachterasse", die mir an sonnigen Tagen sicher eine gute Option sein wird.



Gegen Abend trafen wir uns wieder in der Wohnung und schleppten noch einen Koffer mit Unterlagen seiner Familie durch die Subway und anschliessend in den Financial District, wo ein Verwandter wohnt und das ganze Baggage beim nächsten Trip mit nach Kolumbien bringen wird. Es regnete, nicht wirklich angenehm, und wir fuhren mit dem Taxi nach Hause.

Inzwischen war auch Jeff da, mit dem das Appartment geteilt wird, und kochte sich gerade Pasta zum Abendessen - wir verzichteten. Andres hatte mit einem Freund abgemacht und nahm mich mit. Wir fuhren nach Brooklyn raus, wo wir Augosto trafen. Im Restaurant Dumont gab es ein feines Dinner und angenehme Unterhaltung, zufrieden fuhr ich zurück nach Manhattan. Ich hatte gerade die Erkenntnis gewonnen, dass meine Greencard die „Wildcard“ in meinem Leben ist.

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