Montag, Dezember 29, 2008

Carribean Cruise – Eine Lektion der Demut auf St. Kitts

Um 6 Uhr morgens dockte unser Schiff in Basseterre, St Kitts, an. Fast eine Stunde lang wurden wir durchgeschaukelt, und um 8 Uhr weckte uns dann Cruise Direktor Savannah mit dem aktuellen Tagesprogramm, verkündet über die Lautsprecher. Wir gönnten uns eine Stärkung am Frühstücksbuffet, frische Früchte, Omelett, Birchermüesli und Fruchtsaft, dann gingen wir von Bord.

Der Tourismus ist ein wichtiger Wirtschaftszweig, ein internationaler Flughafen bringt Gäste auf die Insel, die sich dann im grössten Hotelkomplex der östlichen Karibik auf Frigate Bay einnisten. Im Tourist Office trafen wir auf Rose. Die stämmige Engländerin, so um die sechzig, überzeugte uns, mit ihr eine Tour über die Insel zu machen.


Wir und einige andere Leute, die wir kürzlich getroffen hatten, schlossen sich uns an. Wir stoppten an einigen Orten, so bei der Batik-Fabrik oder dort wo sich Atlantik und karibisches Meer küssen.



Wie viele karibische Inseln entstand auch St. Kitts aufgrund eines Vulkanausbruchs. Aktuell hält sich dieser still, doch der Hurrikan "Olma" hat kürzlich grossen Schaden angerichtet.

Die Leute auf der Insel müssen mit wenig zum Leben auskommen, was offensichtlich wurde als wir durch die Dörfer mit den einfache Häusern fuhren, die oft ihre besten Zeiten hinter sich hatten.
Kinder verkauften Souvenirs, ihre Eltern taten es ihnen gleich. Streunende Hunde und Katzen sprangen über die Strasse oder lagen in der Sonne, herrenlose Ziegenherden weiden auf einer Wiese, ein Ochse im hohen Gras schaut uns nach, die leblosen Augen des überfahrenen Rehbocks (oder so) bleiben hängen. St. Kitts half uns, selbstverständliche Annehmlichkeiten in einem anderen Licht zu sehen.








Schnitt… Beim Morgenessen hatte mir der Koch empfohlen, am Hafen nach einen Wireless Hotspot Ausschau zu halten, und in der Tat wurde ich vor einem Restaurant fündig und rief meine Familie an, um schöne Weihnachten zu wünschen.

Danach machte ich mich auf in Richtung Supermarket, den ich auf dem Rückweg vom Taxi aus erspäht hatte, um noch ein paar Getränke zu besorgen. Der Kassier wollte für meine 2 Gallonen Wasser, das Cola Sixpack und die Handvoll Bier 37 US Dollar, was ich mit einem "Are you kidding me?" quittierte.
Er rechnete mir alles nochmals mit der lokalen Währung vor, worauf ich eine 10 Dollar Note zückte und wissen wollte was ich dafür erhalte. Wir wurden handelseinig, und mit den 2 Wasser und dem halben Sixpack Cola verliess ich das Geschäft.

Zurück auf dem Schiff räumten wir mal unsere Kabine ein wenig auf und machten uns – mit den besten Kleidern ausgestattet - bereit für das Weihnachtsessen. Greg und Peggy hatten uns eine Nachricht hinterlassen, dass sie einen Tisch für 8 Personen gebucht hatten und wir doch um 20 Uhr zu ihnen stossen sollten - was wir dann auch taten und einen gelungenen heiligen Abend miteinander verbrachten!

Sonntag, Dezember 28, 2008

Carribean Cruise – Touristenvieh auf St. Thomas

Der Blick vom Frühstückstisch aus war vielversprechend:


Wir kamen in St. Thomas an Land an, machten nochmals eine Fotosession mut unserem Schiff und trafen dann als erstes auf den netten Taxifahrer Lyndon Poleon (http://www.711vitaxi.com/).


Er brachte uns an den von Touristen überlaufenen Strand "Megans Bay", der aber dank der flachen Sandbank gut zum Schwimmen war.

Ein Haufen der Kreuzfahrtler (es hatte 5 Schiffe im Hafen mit tausenden Besuchern!) liess sich wie Vieh an die Beach karren, für 9$ pro Weg, notabene - der Eintritt von 4$ pro Person fiel da nur noch marginal ins Gewicht...



Der Wind bliess mit voller Kraft, und bald endeten wir gegrillt und als panierte Plätzchen am Strand und spazierten etwas herum.



Er holte uns wie abgemacht wieder ab und brachte uns nach Port Charlotte, der Hauptstadt, wo auch unser Schiff ankerte. Interessanterweise herrscht Linksverkehr, aber mit "normalen" Autos wie wir sie auch in der Schweiz fahren. Dabei fiel mir auf, dass das Auto wohl weltweit die Penisverlängerung des Mannes darstellt.

Natürlich lebte auch Port Charlotte vom Tourismus, ein Geschäft reihte sich an das nächste an der Wasserfront. Mir war das aber rasch zu viel, und ich wollte anderes Terrain sehen. Als ich mich zwei Nebenstrassen in die Stadt vorwagte war ich definitiv der einzige Gringo und sah auch ein kleines bisschen, wie die Leute leben.



Männer spielen im Hinterhof Karten und trinken ein Bier, Frauen verkaufen Gemüse auf dem lokalen Markt, Kinder spielen Fussball, ein neues Haus reiht sich an eine verkommene Bruchbude, die Wäscherei an die Bar mit dem Musik-Lautstärkepegel, der für Schweizer Ohren an die Schmerzgrenze geht.






Im Supermarkt, der halb Lager und halb Verkaufsbereich ist, gibt es eine Gallone Wasser und Cola zum lokalen Preis und einen Schwatz mit dem Inhaber aus dem mittleren Osten. "Like it here?", wollte ich wissen. "Somehow...".
Am Abend fuhren wir los, bevor die Sonne unterging - beautiful!



Samstag, Dezember 27, 2008

Carribean Cruise - Puerto Rico, das Amerika der Karibik

Wir dockten frühmorgens in San Juan, Puerto Rico, an und taten es Christoph Kolumbus gleich, der auf seiner zweiten Reise 1493 die Insel erforschte. Dies war der erste Tag an Land unserer Kreuzfahrt, und wir wollten in vollen Zügen unserer Entdeckungslust frönen.


Die Altstadt von Puerto Rico war touristisch erschossen, äh - erschlossen.

Ein Luxusshop am anderen lädt die Überreichen dazu ein, ihr Portemonnaie zügig zu leeren. Reizvolle Fotomotive gab es trotzdem einige, meist in den Nebengassen. Puerto Rico gehört fast zu Amerika und verhält sich auch so, angereichert mit karibischer Lebenslust.















Wir suchten uns ein Taxi und machten uns auf an einem Strand, welcher uns von einer ortskundigen Juwelier-Verkäuferin (einer Schweizerin) empfohlen worden war. Mit unserer Taxi Chauffeuse, welche den Führerschein vermutlich gestern in der Lotterie gewonnen hatte, vereinbarten wir dass Sie uns um 18 Uhr an der selben Stelle wieder aufpickte. In solchen Situationen bezahle ich normalerweise nur die Hälfte des vereinbarten Betrags, um auch sicher zu stellen dass wir nicht sitzenbleiben – dieses Mal jedoch versiffte ich es in der Hitze des Gefechts.

Der Strand war fast ausschliesslich von Locals, mit und ohne Anhang, frequentiert.


Wir machten einen Spaziergang und schrieen uns an, da der Wind eine andere Kommunikation kaum zuliess. Etwas entfernt stiessen wir auf ein Hilton Hotel und schauten da zwei mal hin – just in case, falls wir uns das mal leisten könnten.

Unterwegs trafen wir noch auf andere Taxis, die uns alle mitnehmen wollten – ich wollte aber nur wissen, was denn der Preis zum Hafen war. 12$, war die Antwort; dies freute mich, denn wir hatten vorher das selbe bezahlt und ich nahm an dass wir nur den normalen Touristenaufpreis zahlten und nicht den „Extra Ripp Off“. Wie ausgemacht warteten wir um sechs Uhr auf unser Taxi, dass dann auch pünktlich um viertel nach auftauchte und uns nach einem Zwischenstopp an einer Tankstelle zurück an den Hafen brachte.

Dort trafen wir im Duty Free Bereich noch auf Jack, verzichteten aber auf Körperkontakt.

Carribean Cruise – Erste Bekanntschaften

Am ersten Tag morgens gesellten sich Frank und Margaret Wilkinson aus England aus dem Zimmer 160 am Frühstückstisch zu uns. Auch sie sind zwei rüstige Rentner im zarten Alter von 72 und 75, die ihre Ausflüge nicht überteuert an Bord kauften, sondern vor Ort entscheiden und sich etwas zusammen stellen. Wir tauschten Zimmer Nummern aus, um allenfalls gemeinsam eine Insel zu erkunden.

Im weiteren Verlauf des Tages wurde die See etwas unruhiger, was dazu führte dass sich der eine oder andere das Morgenessen nochmals durch den Kopf gehen liess. Dank dem 24h Room Service gab es bald ein Tee und etwas Reis zur Stärkung.

Ich traf auf einige Leute mit einem runden Pflaster hinter dem Ohr und vermutete zuerst eine Nikotin Entwöhnung, bis ich merkte dass damit wohl die Durchblutung des Innenohrs gefördert wurde und somit auch der Gleichgewichtssinn verbessert wird, um der Übelkeit auf See entgegen zu wirken.

Ich hatte den ersten Tag auf See mit Rumliegen, einem Besuch im Gym, ein bisschen Schreiben, Kino, Lesen und dem süssen Nichtstun auskosten verbracht. Am Abend beim "Open Seating" Dinner gesellten sich Greg, Peggy und Trevor Olson mit ihrer Freundin Lynnia an den Tisch zu uns. Mit den vier Amerikaner hatten wir nicht nur an diesem Abend viel Spass und interessante Diskussionen!

Nun weiss ich übrigens auch, welches Glas zu mir und welches Brot-Teller zum Nachbarn gehört. Eine kleine Eselsbrücke dazu veranschaulicht folgendes Bild, auf welchem ich mit meinen Händen die Buchstaben b und d forme - mein Brot ist also links, der Drink rechts.

Carribean Cruise – die Leute an Bord

Es hat tendenziell tatsächlich ältere Leute an Board der „Maasdam“, aber auch einen angenehmen Anteil an Jungen und Familien - eine angenehme Mischung! Für Gehbehinderte wird gut gesorgt, die meisten Orte auf dem Schiff sind mit Rollstuhl oder automatisch betriebenem Untersatz gut erreichbar.

An Bord hat jeder die Möglichkeit, seinen gewünschten Aktivitäten zu frönen. Beliebt sind zum Beispiel der Wettbewerb „Wer holt sich den gröbsten Sonnenbrand“, welcher meist zwischen den Amis und den Briten in einem Unentschieden endet. Doch auch in der Bibliothek oder beim Bridgespiel gibt es ein Gerangel um die besten Plätze.

Scherz beiseite, die Aktivitäten an Bord sind wirklich unerschöpflich – von geruhsamen Studieren in der Bibliothek, Internet Surfen im Café oder ein Match auf dem Badminton Court bis zum Tischtennis, Shuffle-Board, Basketball undsoweiter findet fast jeder etwas Neues.

Tendenziell lassen sich die Gäste in zwei Gruppen unterteilen – die „wir wollen unsere Ruhe haben“ und die „wir wollen Spass und Leute kennen lernen“ Fraktionen. Wer Lust auf neue Kontakte hat lässt sich einfach im „Open Seating“ eintragen und landet dann beim Morgen- und/oder Abendessen mit irgend jemandem am Tisch.

Viele der "Alten" sehen erstaunlich jung aus, und ich denke nicht dass da gross nachgeholfen wurde. Al, 82, hätte ich auf ein paar Jahre pensioniert geschätzt – nicht nur wegen seiner modischen Kleidung! Silvia und Pauline, zwei uns ans Herz gewachsene ältere Damen, hatten Sprüche auf Lager, die ich hier nicht wiedergebe.

Von den zwei weiss ich auch, warum sich "Hausratsecken" beim männlichen Haarwuchs einstellen: "Grass doesn't grow on a busy street!"

Dann gab es da noch den älteren Mann mit seinem verwaschenen Shirt - vorne war dieses mit "Dam Ships" bedruckt, hinten waren die Schiffsnamen der Reederei aufgeführt, und er hatte alle abgehakt welche er bereits besucht hatte. Im weiteren trafen wir auf Exponenten, die mit Weihnachtsmann-Mütze oder Elchgeweih aus Plüsch rummarschierten – „you’ve got the spirit, bro“.

Was mich zum Nachdenken brachte waren diejenigen Oldies, die den ganzen Abend vor dem einarmigen Banditen sitzen, Münze um Münze reinwerfen und nicht wissen wie die Zeit sonst totzuschlagen ist. Schlimmer wurde es nur noch, als Opa spielte und Oma auf dem Gehwagen nebenan sass und zuschauen musste – oder als wir die verzweifelten Worte im Lift hörten, dass es heute Abend keine Show gebe und was sie denn nun machen sollten.