Sonntag, April 30, 2006

Mein Amerika Roadtrip – Kopfgeld auf Pudel ausgesetzt

Der Flug mit American Airlines von San Diego nach New York war ziemlich holprig, und als wir uns endlich von den Sitzen erheben konnten war die eine Toilette in der Economy Class defekt, was zu langen Warteschlangen und unbeherrschtem Personal führte.

Schlussendlich zeigte der Kapitän Herz für entnervte Mütter und Co. und erliess die Sonderbewilligung, dass das Fussvolk auch die Toilette der Business Class nutzen dürfe – aber nur, wenn nie mehr als eine Person sich in diesem exklusiven Bereich aufhalte, ansonsten… Zu Essen gab’s auch nichts, und wir waren froh als wir New York erreichten.

Dort stand uns ein Marsch zum anderen Terminal bevor, welches wir dann in einer halben Stunde erreichten.

Doch der Stress, den wir uns gemacht hatten, war umsonst: der Flug aus Paris hatte Verspätung und wir starteten dann gut 90 Minuten später als nach Plan. Super, wenn ich daran denke dass ich am nächsten Morgen um 9 Uhr in der Schule stehen sollte und eigentlich um 7 Uhr in Zürich ankommen sollte…

Auch dieser Flug war etwas wackelig, ging aber glatt über die Bühne und wir erreichten kurz vor acht Uhr am Samstag Morgen Zürich.


Unsere in San Diego eingecheckten Gepäckstücke waren innert Kürze auf dem Rollband gesichtet und um viertel nach acht waren wir bereits auf dem Gleis und warteten auf den Zug nach Bern. Erfreulicherweise ereilte mich dann die Nachricht, dass die Schule ausfällt – nicht dass ich mich davor drücken möchte, aber unter den gegebenen Umständen kommt mir das gelegen :-).

Nachdem wir unser ganzes Bagage auf dem Bahnsteig deponiert hatten und uns gerade hinsetzen wollte erwartete uns eine charmante Begrüssung: ein nettes kleines Pudelhündchen verwechselte dieses wohl und markierte ungeniert unsere Tasche! Welcome back in good old Switzerland...



Mein Amerika Roadtrip – Can I get some sleep, pliiise!

Nun war Packen angesagt! Ein volles Auto wurde nach drei Stunden Ach und Krach in zwei Koffer, eine Riesentasche, zwei Rucksäcke, eine kleine Tasche und 2 Säcke verstaut, halleluja! Wir checkten im Hotel "La Pensione" aus (sehr zu empfehlen, gute Lage direkt in Little Italy, nette Leute!) und wählten in der Nachbarschaft ein feines Restaurant zum Abendessen aus.

Da dieses voll war und wir eine halbe Stunde warten mussten, gönnten wir uns nebendran im "Indigo Grill" einen Apéro - und staunten nicht schlecht, als der Barkeeper Bruce (kommt aus Phoenix, studiert englische Literatur) uns diesen spendierte, weil wir am vorigen Abend mit ihm geplaudert haben! Das feine Essen danach tat ein Übriges, dass wir einen schönen letzten Abend in San Diego verbracht hatten.

Morgens um vier Uhr war dann schon wieder Tagwache, de facto war ich schon einiges früher wach und lauschte der Dunkelheit. Um viertel vor fünf fuhren wir los, um das Mietauto bei Alamo zu retournieren.
Wie so oft vertrauten wir dabei auf unser TomTom Navigationsgerät, welches aber an diesem Morgen partout kein GPS Signal empfangen wollte. Da mir technische Geräte nicht fremd sind tat ich, was ich in solchen Situationen immer tue: neu starten, frei nach dem Motto „ein Boot tut immer gut“.

Und siehe da, zuverlässig wurden wir zu Alamo gelotst, wo sich vor uns bereits eine beträchtliche Schlange wartender Fahrzeuge aufgereiht hatte. Mir schwante Übles, da unser Flugi um 7 30 Uhr von San Diego nach New York startete. Aber um fünf nach fünf waren wir bereits im Shuttlebus zum Flughafen, es wurde nur der Barcode am Auto gescannt und das war’s! Keine Unterschrift, keine Prüfung ob das Fahrzeug in Ordnung war, was mich bei den ansonsten peniblen Amerikanern doch etwas erstaunte.

Die Gepäckaufgabe erfolgte reibungslos, obwohl wir drei proppenvolle Gepäckstücke hatten, welche doch ein beträchtliches Gewicht auf die Wage brachten. Ich wurde etwas unruhig, als ich die Security Officers die Koffer durchwühlen sah - wenn ich daran denke wie lange wir brauchten um unsere Utensilien zu packen… Aber Fortuna hielt ihre schützende Hand über uns und alle unsere Gepäckstücke passierten ungehindert das Rollband.

Als nächstes stand der Security Check auf dem Plan. Alle Taschen leeren, Schuhe ausziehen und dann schnell durch den Detektor gehuscht. Auch diese Hürde meisterten wir und sassen schon bald im Flugzeug von San Diego nach New York.

Mein Amerika Roadtrip – Ein Haufen Wilder

Einen Haufen wilder Tiere trafen wir im Zoo von San Diego an. Bekannteste Attraktion sind die Pandas (für welche der Zoo pro Tier und Jahr eine Million Dollar Miete an China abdrückt!), aber der Zoo bietet ein Zuhause für sage und schreibe mehr als 4000 Tiere in 800 Arten. Er bietet übrigens auf seiner Webseite iZoofari Podcasts, Blogs, Livekameras, Spiele für Kinder undsoweiter an.


Doch bevor wir starteten schlugen wir uns mit einem Zmorge-Zmittag beim Hometown Buffet die Bäuche voll und machten einen Stopp im „99 Cents only“ Laden – und dann ging’s los!

Der Zoo beeindruckte durch seine Artenvielfalt, aber wir hätten uns trotzdem teilweise eine (noch) artgerechtere Haltung der Tiere gewünscht. Schön anzusehen waren auch die Pflanzen und Bäume, von denen wir viele das erste Mal in unserem Leben sahen und gar nicht wussten, dass es solche Gewächse gibt!


"Einer der Höhepunkte des Zoos ist der ein Hektar große Regenwald am künstlich angelegten Tiger River mit üppiger Vegetation, Wasserfälle und künstlich erzeugtem Nebel. Im Tiger Valley kann der Besucher die Dschungelwelt Asiens bestaunen: Tapire, Sumatratiger und Fischkatzen.



Ebenfalls wunderschön angelegt ist die neugestaltete Gorilla-Anlage (Gorilla Tropics) mit typischer Regenwaldvegetation. In dieser realistisch geschaffenen Dschungelwelt, in mitten der Stadt, leben die Gorillas fast wie in ihrer Heimat in Afrika.

Auch die Eisbären fühlen sich wohl im sonnigen San Diego in ihrem Polar Bear Plunge-Gehege.



Das Wasser, in dem die Eisbären schwimmen wird konstant auf 13° Celsius gehalten. Im Unterwasserfenster kann man beobachten, wie sich die Eisbären im Wasser fortbewegen."
(aus Wikipedia)

Mein persönlicher Favorit waren die Meerkatzen, so cute!














Auch unsere Verwandten, die Affen, trafen wir an. Ich habe den Eindruck, dass diese Tiere nicht wirklich glücklich sind.







Mittwoch, April 26, 2006

Mein Amerika Roadtrip – Die Seele baumeln lassen in San Diego

Nun haben wir den letzten Ort unserer Reise erreicht, San Diego, direkt an der Grenze zu Mexiko. Und das spürt man! Spanisch ist sozusagen die zweite Amtssprache. Überall wo wir hingekommen sind haben wir Mexikaner angetroffen, oftmals in schlechtbezahlten Jobs. Ohne diese teilweise illegalen Einwanderer würde die Wirtschaft von Kalifornien, der 5. grössten Wirtschaftsmacht der Welt, kollabieren.


Die Schere zwischen Arm und Reich klafft hier stark auseinander, und der Unterschicht sieht man an, dass sie sich schlecht ernährt. Es ist auch nicht ganz einfach, sich in Amerika ausgewogen zu ernähren.

Unser Biogemüse, dem man hier „organic“ sagt, findet man nur sehr schwer. Wir haben in den Restaurants auch nicht immer auf Anhieb fleischlose Gerichte oder Gemüse entdeckt, und die riesigen Portionen verleiten dazu, den Teller leer zu Essen obwohl der Kopf schon gemeldet hat, dass der Bauch satt is(s)t. Dankbar sind da die Doggie Bags, man kann sich die Resten immer einpacken lassen und nach Hause mitnehmen.

Doch zurück zu San Diego. Wir haben das nette Hotel „La Pensione“ gleich beim Tor von Little Italy als Domizil auserkoren. Von hier aus haben wir dieses Quartier erkunden können, eine bunte Mixtur aus Nostalgie von gestern und Energie von heute. Frank Sinatra trällert hier genauso wie Eros Ramazotti aus den Lautsprechern, die Strasse ist von einem feinen Knoblauch Duft und frischem Kaffee erfüllt.

Nachbarn sitzen wie alte Mafiabosse auf der Veranda und schauen amüsiert dem bunten Treiben zu, während dem wir uns durch die feinen Restaurants, Gelaterias, Bakerys und Kaffees durchschlemmen. Ein gemütliches Fleckchen, schade dass wir das „Annual Art Walk Festival in Little Italy“ (bei welchem über 300 Künstler ihre Werke den 70-80 000 Interessierten präsentieren) genau um einen Tag verpassen…



Wir machten uns auch auf ins Gaslampenquartier (die Antwort der Westküste auf SoHo ;-) ) um den historischen Distrikt mit seinen viktorianischen Häusern anzusehen. Wie so oft auf unserer Reise begegneten uns hier viele Obdachlosen auf der Suche nach etwas Kleingeld. Einer spielte Gitarre, ein anderer schleppte brüllend seine Plastiksäcke durch die Strassen, einer bettelte während wieder andere nur noch mit einem Schild am Boden kauerten oder bei den Autos vor den Ampeln vorbeiliefen und auf eine milde Gabe hofften. Für mich waren die vielen Obdachlosen das Erschreckendste auf der ganzen Reise, das habe ich wirklich nicht erwartet.

Am nächsten Tag besuchten wir mit dem Trolley die Altstadt, „Old Town“, hier wurde San Diego gegründet. Old Town wirkt wie ein Schritt zurück in den Wilden Westen. Früher lebte ein Stamm der Kumeyaay Indianer hier, bevor die Spanier 1769 die Stadt gründeten. Heute findet man hier eine farbenfrohe Mischung an Läden und Restaurants, eingebettet in die alten Häuser (mit Original Einrichtung) und den schönen grünen Park. Ein guter Ort, um ein bisschen das Erlebte nieder zu schreiben – und die Seele zu mexikanischer Musik baumeln lassen!






Mein Amerika Roadtrip – Palm Springs, coole Schlitten und der Nationalstoz der Amerikaner

Nur noch ein paar Tage sind wir unterwegs, dann geht’s zurück ins Schweizerländle. Um ein bisschen zur Ruhe zu kommen haben wir noch ein paar Tage am Meer in San Diego geplant. Auf dem Weg dahin suchten wir in Palm Springs ein Nachtquartier, was uns fast zur Verzweiflung brachte.




In den ersten 5 Hotels war alles ausgebucht und dann schnappte mir beim sechsten Versuch eine rassige Mitteldreissigerin das letzte Zimmer vor der Nase weg. Das Angebot der Dame, das Zimmer mit mir zu teilen musste ich ausschlagen, da meine bessere Hälfte bereits im Auto auf mich wartete. Doch wir hatten Glück: im „Motel 6“ fanden wir noch das letzte Zimmer, welches speziell für Behinderte eingerichtet ist. Das einzige Problem war das Bett, welches doch etwas klein geraten ist für zwei Personen. Man merke: wer am Wochenende in grösseren Städten übernachten will sollte rechtzeitig reservieren und sich auf saftige Zuschläge gefasst machen. Einfacher ist es am Wochenende in kleineren Orten abzusteigen – das spart Geld und Nerven.

Am nächsten morgen machten wir uns bei Zeiten auf den Weg. Gleich nach Verlassen der Stadt sahen wir dutzende von riesigen, vom Wind angetriebenen Propeller, welche wohl für die Energieversorgung von Palm Springs genutzt werden. Ein paar Meilen später landeten wir wieder in einem Outlet Store, was mir ein bisschen Zeit zum Bloggen verschaffte, während frau sich ins Getümmel warf.


Vor der Weiterreise nach San Diego legten wir nochmals einen Zwischenstopp in Long Beach ein, da wir unbedingt nochmals in „George’s Greek Cafe“ griechisch essen gehen wollten. Davor gab’s den obligaten Kinofilm, wir sahen uns „The Sentinel“ an. Spannender Thriller über einen Agenten des Secret Service (gespielt von Michael Douglas), der einen Mordkomplott gegen den amerikanischen Präsidenten vereitelt. Danach genossen wir das feine Essen bei George und staunten darüber, dass man sich an uns Schweizer erinnerte. Die mitgebrachte Toblerone wurde mit Wonne verzehrt und das Papier der Schoggi als Beweis für die Freunde aufbewahrt, dass man "real swiss made chocolate" erhalten hatte!











Themenwechsel. Die Amerikaner fahren geile Autos, von riesigen Pick Ups über familientaugliche Vans bis zu schnittigen Flitzern gibt’s alles, und meist sehen die Vehikel recht neu und komfortabel aus. Im Land der Blechlawinen ist das Auto also fast wie das zweite Zuhause, da würde ich mich wohl auch entsprechend ausstatten. Mein nächstes Auto wird wohl kein Hummer sein, aber für einen schnittigen Bentley (siehe unten)könnte ich mich sehr begeistern. Bekommt man die bei uns in der Schweiz eigentlich auch irgendwo? Die Strassen haben auch einige nette Eigenheiten, zum Beispiel im Teer eingelassene Rillen – wer über die Randline rausfährt wird sofort durch das laute Knattern der Reifen wieder zur Konzentration aufgefordert. In der Mitte der Strassen findet man oft kleine Erhebungen, welche die Spuren voneinander abtrennen und in der Nacht reflektieren und so den Weg weisen. Parkieren kann man (fast) überall, aber niemals dort wo der Randstein rot eingefärbt ist, und bei Gelb ist nur eine Einsteige- und Umladezone.














Nebst der Autovernarrtheit der Amerikaner ist mir auch der Nationalstolz aufgefallen. An jeder Ecke findet man die „Star spangled banner“ Flaggen, die Leute laufen mit T-Shirts rum (Proud to be an american, American by birth, Support our troops,…) und kleben sich Sticker auf die Autos. In Übersee sind manche Dinge schon etwas anders als bei uns ;-).

Dienstag, April 25, 2006

Mein Amerika Roadtrip – Der Grand Canyon, die Indianer und der Lake Havasu

Am nächsten Tag besuchten wir nochmals den Grand Canyon. Die Native Americans, die man hier nicht Indianer nennt (genauso wie man die Schwarzen nicht „black people“, sondern AfroAmericans nennt) verkauften auf dem Weg dahin an Strassenständen ihre Produkte, oftmals original importiert aus Asien…

Es ist erschreckend, dass die Ureinwohner von Amerika ein Dasein am Rand der Gesellschaft führen. Bei dem untenstehenden Bild „Homeland Security – fighting terrorism since 1492“ bleibt einem das Lachen im Hals stecken.

Der südliche Grand Canyon ist wirklich riesig und mit seinen Dimensionen beeindruckend, 90% der Besucher des Nationalparks kommen nur hierhin. Im Gegensatz zum Bryce Canyon wartet er aber nicht an jedem Aussichtspunkt mit einer neuen Attraktion auf.

"Der Grand Canyon (Gewaltige Schlucht) ist eine steile, etwa 450 km lange Schlucht im Norden des US-Bundesstaats Arizona, die über Millionen von Jahren vom Fluss Colorado ins Gestein des Colorado Plateau gegraben wurde. Der größte Teil des Grand Canyon liegt im Grand-Canyon-Nationalpark. Der Canyon zählt zu den großen Naturwundern auf dieser Welt und wird jedes Jahr von rund 4 Millionen Menschen besucht." (Quelle: Wikipedia). Wir genossen die Aussicht sowie die Tierwelt und machten uns nach einem Imbiss auf zu neuen Schandtaten.



Nach fast 6 Stunden Fahrt erreichten wir nach Einbruch der Dunkelheit den Lake Havasu. Bis dahin hatten sich Tausende von kleinen Fliegen mit unserer Windschutzscheibe gemessen und dabei den Kürzeren gezogen, obwohl sie das eigentlich hätten kommen sehen müssen. Der Lake Havasu ist sehr schön inmitten von Bergen eingebettet, bei uns würde man dem „Naherholungsgebiet“ sagen.

Die Temperaturen waren auch ganz nach unserem Geschmack, richtig sommerlich warm. Schwieriger war es, ein freies Hotel zu finden. Nach dem wir eine Stunde rumgekurvt waren landete wir per Zufall im „Sands Resort“ und staunten nicht schlecht, als sich unser Zimmer als geräumiges Appartement herausstellte, mit Sofa, Küche und Tisch! In der Nacht habe mich auf der Suche nach der Zimmertüre fast im begehbaren Kleiderschrank eingesperrt ;-). Sache gits…