Mittwoch, Juli 19, 2006

Swisscom und zukünftige mobile Dienste - die Einflussfaktoren

Der Aufbau von Diensten und deren mobile Nutzung ist von einer Vielzahl Faktoren abhängig, wie die folgende Zusammenstellung aufzeigt. Die Auslegeordnung zeigt Entwicklungen auf, welche aus unserer Sicht stattfinden (werden), kategorisiert nach den Sphären der Zukunft von Matthias Horx.

Technosphere

Netzabdeckung: Die Netzabdeckung in der Schweiz bietet die Grundvoraussetzung, um darüber auf Dienste zugreifen zu können. „Bereits 90% der Schweizer Bevölkerung ist mit UMTS abgedeckt, sogar 99.8% mit EDGE. Mit HSDPA, UMTS, EDGE und Public Wireless LAN bietet Swisscom Mobile somit die beste Abdeckung an mobilen Breitbanddiensten in der Schweiz.“ (Quelle: Internet Swisscom Mobile). Im Vergleich zum Vorjahr stieg 2005 der Anteil der Bevölkerung mit einem Mobiltelefon von 84,6 auf 93 Prozent. Die Public WLAN Hotspots pro 10'000 Notebooks wuchsen um 16,4 Prozent, die Anzahl Hotspots stieg von 1'600 auf 2'230. (Quelle: ICT-Trendbarometer 2006)

Mobile Geräte: Die schier endlose Vielfalt an mobilen Endgeräten lässt uns einige Muster erkennen: immer schneller, besser, integrierter. Ein Handy ohne Kamera ist heute schon bald schwierig zu finden. Doch alle diese mobilen Geräte haben etwas gemeinsam, was heute noch nicht gross genutzt wird: sie zeigen, wo sich der Benutzer befindet!! Dies wird zukünftig ein entscheidender Faktor sein, um für den im Mittelpunkt stehenden Benutzer Dienstleistungen zu erbringen, da dessen Bedürfnisse von Lokalität zu Lokalität unterschiedlich sein werden.
Übrigens: dem Datenschutz ist beim Aufbau von solchen Dienstleistungen einen hohen Stellenwert beizumessen.

Energie: All’ die technischen Geräte benötigen Energie. Diese sollte in Zukunft vermehrt aus „natürlichen“ Ressourcen gewonnen werden können, bspw. mit in den Geräten eingebauten Solarzellen oder durch Bewegungsenergie

Consumersphere

Nicht-Sprachdienste: Nicht-Sprachdienste gewinnen im Mobilfunkbereich an Bedeutung, beispielsweise sind dies Online-Spiele, der Versand von SMS, Multimedianachrichten, Instant Messages und E-Mails, Surfen im Internet, Live TV via Handy, Videotelefonie, …
Der für die Telco Firmen wichtige Anteil von Nicht Sprach-Diensten am gesamten Mobiltelefonie-Umsatz stieg im 2005 von 13,88 auf 14,86 Prozent. (Quelle: ICT-Trendbarometer 2006)

Internetpräsenz von KMU: Der Nutzen einer Internetpräsenz ist für KMUs heute noch nicht immer gegeben. Die zunehmende Virtualisierung wird dies aber fordern, eine Webpräsenz wird so selbstverständlich wie der Eintrag der Telefonnummer im Telefonbuch.

Usability: Erfolg hat, was einfach in der Bedienung ist und auf das Bedürfnis des Benutzers eingeht. Ein Beispiel: eine kontextsensitive Menustruktur stellt nur effektiv relevante Befehle zur Verfügung, es werden nur „nützliche“ Informationen angezeigt und die eine Endgerät spezifische Ausgabe stellt sicher, dass eine Webseite auf einem Handy anders aussieht als auf dem PC Monitor, damit der Benutzer sich nicht zu Tode scrollen muss.

Knowledgesphere

Verfügbare Informationen: Die Informations-, Daten- und auch die verfügbare Wissensmenge steigen kontinuierlich an. Durch das Internet wird der Zugang dazu stark vereinfacht, da dieser nicht mehr an Ort und Zeit gekoppelt ist. Diese Flut bringt natürlich Probleme mit sich: wie kann die Spreu vom Weizen getrennt werden? Wie finde ich im Informationsdschungel die für mich relevanten Inhalte und nicht nur diejenigen, welche die Such-/Findmaschine als relevant einstuft? Ebenfalls problematisch ist die Datenqualität, zum Beispiel auf http://www.wikipedia.org/, der Online Enzyklopädie – wer garantiert mir, dass die dort von irgendwem publizierten Daten stimmen?

Verknüpfung von Informationen mit Lokationen: Lokationsspezifische Daten sind in der Schweiz noch eher dürftig verfügbar, doch der „User generated content“ nimmt zu. Die Schweizer stellen vermehrt persönliche Informationen (bspw. Fotos, Bewertungen, Beschreibungen,…) im Internet zur Verfügung und verknüpfen diese mit einem bestimmten Standort (bspw. http://www.local.ch). Global Players wie Google haben dies auch erkannt und bieten bereits lokale Dienste an (Google Earth, Google Maps, Google Local,…)

Verbindung der virtuellen und physischen Welt: Virtuelle und physische Welt werden ohne Medienbruch über Codes verknüpft und bieten neue Möglichkeiten in der Informationsvermittlung und Werbung, indem über diesen Code direkt aus dem Internet weitere Informationen zum Objekt abgerufen werden können. Wenn ich vor dem Berner Bundeshaus stehe kann ich über mein Mobiltelefon den dort angebrachten Code fotografieren und mein Handy ruft automatisch aus dem Internet weitere Informationen dazu ab, bspw. von Wikipedia.org (Beispiele: Semapedia.org und Beetag.com)

Soziosphere

Internetnutzer: Das Internet wird allgegenwärtig von den Schweizern genutzt, sei es zu Hause, am Arbeitsplatz oder von unterwegs. Der Anteil der Internetbenutzer an der Gesamtbevölkerung legte IM 2005 um 3,5 Prozent zu und liegt nun bei 70,1 Prozent. (Quelle: ICT-Trendbarometer 2006)

Gesellschaft und Individualität: Wie frei ist unser Wille wirklich, wie individuell wollen und können wir leben? Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und braucht Strukturen. Gesellschaftliche Rahmenbedingungen zwingen dem Individuum auch in Zukunft gewisse Normen und Verhaltensweisen auf. Die Freizeit wird eher individuell und unstrukturierter gestaltet werden als das „Daily Business“, welches strukturiert und geplant werden muss.
Individualität wird in der Gesellschaft von Morgen wichtig sein, die Interaktion und das Eingehen auf das Umfeld (Familie, Freunde,…) aber genau so.

Collaboration: Der Bedarf nach elektronischer Zusammenarbeit nimmt zu, der Mensch von Morgen will von jedem Endgerät, Netzwerk, Ort und Zeitpunkt mit anderen Menschen zusammen arbeiten können.

Ressourcenersparnis: Die Technologisierung erlaubt, dass viele Vorgänge schneller und automatisierter abgewickelt werden können. Dies steigert die Effizienz und Effektivität des Individuums und erlaubt, in der zur Verfügung stehenden (Frei)zeit mehr zu unternehmen.
Oder kommt doch eher das Motto „Der Computer erlaubt mir Probleme zu lösen, die ich ohne Ihn gar nicht hätte.“ zum Zuge? Auch finanziell ergeben sich Vorteile: die Transparenz von Angeboten im Internet ermöglicht es, auf einfache Art und Weise den günstigsten, schnellsten, besten Lieferanten für ein Produkt zu finden.

Massenmedien:Die klassischen Massenmedien TV, Radio und Zeitung werden durch das Medium Internet in seiner ganzen Vielfalt konkurrenziert. Insbesondere Blogs, oft mit „Tagebücher im Internet“ umschrieben, gewinnen an Bedeutung. Deren Inhalte sind meist in Textform, Audio- und Videblogs gewinnen aber stetig an Bedeutung. Ein zentrales Element dieser neuen Medien ist bereits heute die Push Kommunikation zukommen, welche den Benutzer über für ihn relevante aktuelle Ereignisse immer auf dem Laufenden hält.

Verweigerung:Sie werden kommen, die Internet Verweigerer und die gute alte Zeit propagieren, in der die Welt einfacher war. Und es werden nicht nur ewig Gestrige sein, welche die neu gewonnene Freiheit ohne Technologiediktat bejubeln.
Die Geschichte lehrt uns, dass zu jeder Mainstream-Bewegung immer auch eine entgegen gesetzte Strömung stattfindet.

Bodysphere

Gesundheit: Die Gesundheit ist das wichtigste Gut. Was hat aber die Technologisierung darauf für Auswirkungen, bspw. Antennenstrahlung? Die neue Welt vermittelt das Gefühl, immer verfügbar sein zu müssen. Dies führt zu Stresssymptomen und neuen Zivilisationskrankheiten.
Beispiel: In Japan ist der Tod durch Überarbeitung („Karoshi“) eine berufsbedingte Erkrankung – mit dem Anrecht auf Versicherungsschutz!

Politosphere

Identität und Sicherheit: Fühlen sich Internetbenutzer sicher? Oder befürchten Sie, eine digitale Sput hinter sich her zu ziehen und zu gläsernen Konsumenten zu werden?
In den USA ist der Identitätsdiebstahl (Identity fraud) bereits heute ein grosses Problem, und dies nicht nur im Internet! Das Internet ist kein rechtsfreier Raum (mehr), aber stellt Regierung und Justiz immer noch vor grosse Probleme.

Rechtsverletzungen: Die Publikation und die Verbreitung von Inhalten über elektronische Kanäle haben bereits heute immense Ausmasse angenommen. Doch damit einher geht auch die Steigerung der Urheberrechtsverletzungen, indem Inhalte (Text, Bild, Audio, Video) ohne Angabe von Quellen re-publiziert oder unrechtmässig kopiert werden (Piraterie).
Es besteht ein grosser Bedarf an einem neuen Regelwerk für den Umgang mit elektronischen Medien.

Basierend auf diesen Einflussfaktoren haben wir zwei Szenarien entwickelt, was Swisscom im Jahre 2020 für mobile Dienste anbieten könnte - Details dazu folgen morgen.

Keine Kommentare: