Freitag, Februar 03, 2006

Lift 06 Conference - the day before is the day after, ein Wrap Up des ersten Tag

Halbzeit. Das war ein intensiver Tag gestern an der Lift Conference, aber das Versprechen „A conference about new technologies and people (lift: life ideas future together)“ wurde eingelöst.

Der Groove an der Convention ist angenehm entspannt, das Publikum durchmischt. Diversity par excellence, alt und jung, Männlein und Weiblein, Businessmen und Geeks, bekannte Namen und neue Gesichter,… Was mich erstaunte waren die zum Teil unprofessionell gestalteten Slides und dass die Botschaft trotz ausgewiesenem Expertenwissen einfach nicht rüber kam oder klar formuliert war – zum Glück ist dies nicht nur mir so gegangen.

Hier ein kurzer Wrap Up:

  • Bruno Giussani startete mit einer Keynote, welche einige Fenster öffnete und das ganze Spektrum der elektronischen Kommunikation abdeckte. Interessant die Erkenntnis, dass jeder Mensch potentiell ein Zeuge von Geschehnissen ist und diese auch öffentlich machen kann - und somit die klassischen Medien umgeht. Ich hoffe, dass Bruno uns die Präsentation zur Verfügung stellt damit ich mir das nochmals in aller Ruhe zu Gemüte führen kann.
  • Dann übernahm David Galipeau das Ruder und erläuterte die Problematik von Consumerism vs. Activism. Die Kernfrage, die sich auf Basis einer Umfrage stellt die David letztes Jahr durchgeführt hat, lautet: Wie werden die Bürger des globalen Dorfs vom Konsum in Richtung aktiver Handlungen bewegt? Interessanterweise machen uns da die Politiker und Glaubensgemeinschaften vor, wie das gehen könnte. Kleine Randbemerkung: David hatte in seiner Präsentation einige starke OneWord Slides wie „Me“ oder „God“ – wie Steve Jobs zeigt er uns, dass mehr manchmal weniger ist.
  • Cory Doctorow referierte über Digital Rights Management. Kernaussage: was soll die Leute dazu bewegen, einen Song mit Digital Rights Management zu kaufen wenn genau der gleiche Song gratis im Internet heruntergeladen werden kann? Conclusio: dies kann kein Internet-Businessmodell sein!
  • Bruce Sterling! Der Name sorgte bei einigen Individuen bereits für frenetische Entzückung. Bruce war mir ein Begriff, ich hatte vor etwa 10 Jahren als Grünschnabel ein Buch von ihm gelesen – notabene am Bildschirm, da ich keine Papierversion zur Verfügung hatte. Mein erstes eBook, sozusagen. An den Inhalt erinnere ich mich nicht mehr en detail, aber an die Emotionen: Ich spürte, dass dies ein besonderes Buch war von einem besonderen Menschen, der Visionen hat. Und das machte mich glücklich. Bruce zeigte uns nun auf, wie er die Zukunft sieht, insbesondere mit Objekten wie Spimes und Blobjects. Mehr dazu dürft Ihr im neuen Buch nachlesen, ist eine relativ komplexe Thematik.
  • „Women in technology“ hiess das folgende Panel. Zuerst wurden einige Facts und Figures zu diesem Thema aufgezeigt, welche erschreckend aufzeigen dass es mit der (die?) Frauenpower in der Technologiebranche nicht weit her ist. Warum das so ist gestaltete sich etwas schwieriger herauszufinden, und Patentlösungen hatte auch niemand parat. Robert Scoble meldete sich zu Wort und erzählte von seinen öffentlichen „Blogging Dinners“, an welchen auch praktisch keine Frauen teilnehmen. Darauf kam eine starke Wortmeldung einer Lady aus der ersten Reihe: Frauen müssen sich selbst „empowern“ und nehmen was Ihnen zusteht, sprich sich nicht auf den Goodwill der Männergesellschaft verlassen. Gut gebrüllt, Löwin!
    An dieser Stelle noch ein Hinweis auf die Veranstaltung „Blog Her“, welche den bloggenden Frauen eine Plattform gibt. Wer sich die Panels anhört spürt sofort den kleinen Unterschied. Meine Lieblingssession mit Charlene Li, Halley Suitt und Co. gibt’s hier als MP3.
  • Pierre Dillenbourg machte klar, dass eLearning nicht tot ist. Er zeigte anhand plastischer Beispiele auf, welche Konzepte sich durchsetzen können. Beispielsweise wird an einer Schule der Computer so gut in die Infrastruktur integriert, dass die Kiddies gar nicht merken dass Sie mit einem Computer Lesen und Schreiben lernen. Ein anderes Beispiel sind in einen Tisch eingelassene Mikrofone, welche die Aktivität in einer Diskussion visualisieren – wer zu viel quatscht wird mittels roten Punkten auf dem Tisch gebremst, die Aktivität der anderen Beteiligten lässt sich ebenfalls anhand von Farben abschätzen. Sehr spannend und enthusiastisch vorgetragen, Chapeau!
  • Stefano Mastrogiacomo hatte sich dem Thema „Organizational Design“ vorgenommen. Kernaussage: es gibt keine Organisation, sondern nur Objekte die miteinander interagieren. Oder anders gesagt kann man eine Organisation zwar über Nacht ändern, aber die Objekte interagieren trotzdem nach Ihren Wünschen und Bedürfnissen. Interessanterweise sind die heute gebräuchlichen Organisationen oftmals aus dem letzten Jahrhundert (Taylorismus) und für die heutigen Bedürfnisse einfach nicht mehr zeitgemäss. Eine Organisation muss somit über die Menschen anfangen sich zu entwickeln, nicht über die Struktur.
  • Stefana Broadbent von Swisscom Innovations hatte das Schlusswort. Stefana beschäftigt sich mit der Frage, wie Menschen die verschiedenen Kommunikationskanäle einsetzen, bspw. unter welchen Bedingungen ein SMS anstelle einer E-Mail versandt wird oder wann zum Festnetz und wann zum Mobiltelefon gegriffen wird. Die Erkenntnisse dieser qualitativen Studien zeigen auf, dass die Menschen ganz genau wissen, wann Sie welchen Kommunikationskanal einsetzen wollen! SMS beispielsweise ist ein gutes Instrument, um mit seinem erweiterten Freundeskreis in Kontakt zu bleiben oder um sehr persönliche Kommunikation mit seinen engsten Freunden und Familie zu führen. E-Mail dagegen bietet sich an um nicht dringliche Sachen zu organisieren und ist eher ein Medium für weniger persönliche Kontaktaufnahme. Wir dürfen gespannt sein, inwiefern die neuen Medien wie Blogs, Instant Messaging und VOIP die bestehenden Kanäle substituieren wird. Beim „Group Fondue“ diskutierte ich mit Paul Farnell die Highlights. Sein Rating? Na was wohl, die Lady von Swisscom Innovations! Das dachte sich auch das Fernsehen der französischen Schweiz, wo Stefana auch noch ein Interview geben durfte – well done, Stefana!

Nun wurde die zweite Runde der Lift Conference eingeläutet, steigen wir also in den Ring!

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