Swisscom steht vor dem Aus - Nach dem optimistischen Szenario hier nun die mögliche Kehrseite der Medaille, llustriert an einem Tag im Leben von Carsten Schloter, noch CEO von Swisscom.
5 Uhr: Wie jeden Tag setzt sich Carsten zuerst auf seinen Hometrainer um etwas für die Fitness zu tun. Heute würde er am liebsten sein Rennvelo schnappen und ganz weit weg fahren…
6 Uhr: Das hätte er sich nicht erträumen lassen als er vor 14 Jahren, im Januar 2006, die Leitung von Swisscom übernahm. Dass die Privatisierung scheitern würde war absehbar, die Telecom PTT gehört sozusagen zum Allgemeingut der Schweizer. Aber abgesehen davon hatte alles so schön angefangen…
- 2007: Die internationale Expansion nimmt Formen an, die Akquisition von einigen ausländischen Firmen sichert Swisscom wichtige Assets für die Positionierung als Service Provider.
- 2008: Die Penetration der Mobilfunkgeräte beträgt 120%, das bedeutet dass es mehr Geräte als Personen in der Schweiz gibt. Sunrise, Konkurrentin von Swisscom, muss Konkurs anmelden – Swisscom kann die Kunden zu einem Spottpreis übernehmen. Die Zeichen stehen auf Erfolg, auch der Aktienkurs ist seit Jahren wieder über die magische 500er Grenze gestiegen.
- 2009: Der vor zwei Jahren lancierte Dienst „Swisscom Data Harbor“ erfreut sich weiterhin grosser Beliebtheit, viele Schweizer schenken Swisscom ihr Vertrauen und lassen alle ihre digitalen Daten zentral verwalten. Es treten aber vermehrt Fälle von „Identitätsdiebstahl“ auf, indem sich Hacker unbefugt Zugang zu diesen Daten verschaffen und Benutzer erpressen. Auch werden vielfach Urheberrechtsverletzungen begannen und diese Daten bei Swisscom gespeichert. Das Medienhaus Time-Warner übt Druck auf Swisscom aus, indem sie ihr das Abhängigkeitsverhältnis ausnutzen - Swisscom bezieht nämlich für den „Bluewin TV“ Dienst TV-Spartenprogramme und einen elektronischen Filmverleihservice von Time Warner.
- 2012: Der „Swisscom Hologramm Service“ wird zweckentfremdet, indem Prostituierte ihre Dienste darüber anbieten. Dies ist entgegen den Nutzungsbedingungen und schadet dem Image von Swisscom. Die religiösen Fundamentalisten stellen Swisscom an den Pranger.
- 2013: Die Unglücke wollen kein Ende nehmen, der „Swisscom Device Control“ Service hat wegen technischer Probleme bereits mehrere Hausbrände verursacht, die als Partner gewonnenen Unternehmen künden die Zusammenarbeit auf. Der Kassensturz publiziert einen vernichtenden Bericht über den Dienst und zeigt auf, wie man diese Vorfälle einfach hätte verhindern können. Swisscom steht im Kreuzfeuer der Kritiker.
- 11. September 2015: Der Tag an dem die Welt still steht. Was viele Experten schon lange orakelten trat ein: der digitale Supergau, die Hauptschaltzentralen des Internet fielen aus – und nichts ging mehr. Noch schlimmer: durch eine Verkettung unglücklicher Zustände entweicht ein elektromagnetischer Impuls eines Swisscom Forschungsprogramms und schickt alle Daten des „Swisscom Data Harbor“ ins digitale Nirwana – inklusive der Sicherheitskopien. Hunderte Geschäfte müssen Bankrott anmelden, es gibt Suizide und öffentliche Demonstrationen – vom Vandalismus an den Swisscom Gebäuden ganz zu schweigen. Die Stimmung der Bevölkerung kippt, die Bewegung der „Digital-NO’s“ – also der Technikverweigerer – bekommt extensiven Zulauf.
- 2016: Als Folge auf den 11.09.2015 wurde der „Digital Patriot Act“ ins Leben gerufen. Er untersagt es Unternehmen, personenbezogene Daten zu speichern. Das ist der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Bis anhin konnten dank der prall gefüllten Kriegskasse die Verluste ausgeglichen werden, doch mit diesem Akt ist alles zunichte gemacht, worauf Carsten die letzten 10 Jahre hingearbeitet hatte. Weg von dem Netzanbieter, hin zum Lösungsanbieter von individuellen Dienstleistungen – das war einmal. Ausländische Unternehmen nutzen die Rechtslage zu ihren Gunsten und bieten den verbleibenden Kunden Dienstleistungen an, welche der Swisscom untersagt wurden.
- 2020: Eine gross angelegte Langzeitstudie zeigt erstmals unmissverständlich auf, dass die Unfruchtbarkeit der Männer und Frauen eindeutig durch die Mobilfunkantennen- und Geräte ausgelöst wird. Das Parlament beschliesst, die Mobilfunknetze per Ende Jahr ausser Betrieb zu nehmen.
9 Uhr: Carsten Schloter tritt vor das Schweizer Parlament. Die Vorsitzende des Bundesrats zeigt eine vernichtende Chronologie der Ereignisse auf, der einzige rechtsbürgerliche Bundesrat kommt nicht zu Wort. Die Debatte wird lieblos geführt, Carsten sitzt auf verlorenem Posten. Ihm bleibt nur eins: er reicht seinen Rücktritt ein, und meldet im gleichen Atemzug Konkurs an. Damit wurde Swisscom der Todesstoss versetzt.
Summary:
Wie gesagt ist diese Arbeit im Rahmen meines Nachdiplomstudiums "Betriebswirtschaft und Unternehmensführung" an der Fachhochschule Bern zusammen mit meinen Kollegen Martin Buri, Thomas von Känel, Sandro Napoli, Urs Schöni und Reto Suter entstanden. Die zwei vorgestellten Szenarien geben einen Überblick, wie sich mobile Dienste auf das Leben von Herr und Frau Schweizer auswirken werden. „Wild Cards“ im Sinne von Trendbruchereignissen sind in diesen Szenarien bereits integriert.
Aus strategischer Sicht gibt es heute einen, aber über alles entscheidenden Faktor zu berücksichtigen: was will der Kunde, resp. was könnte der Kunde wollen.
In dem Sinne: auf in die Zukunft, in die schöne neue Welt! ;-)




