Samstag, Juli 11, 2009

American Adventure: Der Traum vom Eigenheim

Gestern wurde ich unsanft aus dem Bett geklingelt. Y meldete sich für den Lunch ab, sie war noch auf der Baustelle in Brooklyn und wusste, dass es dieses mal länger dauern würde. Den Leuten beizubringen, was sie als Architektin geplant hatte, ist nicht immer trivial. Ich erinnere mich gut an die Stories von meinen lieben Studienkollegen T, und konnte alles Verständnis der Welt dafür aufbringen. Lieber drei mal erläutern als einmal falsch bauen...

Heute jedoch schafften wir es, und ich schlug vor, ein vegetarisches Restaurant aufzusuchen. Um halb zwei trafen wir uns im Candle Cafe, 3rd Avenue auf Höhe 74 und 75 Strasse. Wasser, Taco Salat und Vollkorn Quesadilla wurden von uns kritisch geprüft - und für lecker befunden. Das Lokal war komplett besetzt, erstaunlicherweise für mein Empfinden, da es ja bereits mitten am Nachmittag war.

Y will sich dieses Wochenende ein Haus in der Bronx anschauen und bald Eigenheimbesitzerin werden, was mich temporären Vagabunden beeindruckt. Kürzlich habe ich mit K darüber gesprochen. Mit 21 hatte sie sich in Jersey eine Hütte gekauft (als Investition, auf Anraten des Daddys) und renoviert. Diese vermietet sie heute, bezahlt damit erstmal die Hypothek ab und bringt jeden Monat noch ein paar hundert Dollar extra rein - ganz zu schweigen von den steuerlichen Vorteilen.

M hingegen hat gerade schlechten Bescheid von seiner Bank erhalten. Er wollte sich mit der Familie den Traum von den eigenen vier Wänden ermöglichen, doch die Bank hatte andere Pläne. Das Unschöne war, dass die geleistete Anzahlung so lange blockiert wurde, bis ein offizielles Schreiben von der Bank kam - frozen money, sozusagen. Die Bank benötigte über einen Monat für ein simples Schreiben um das Geld wieder freizugeben, und er wird nun über einen "Mortgage Broker" sein Glück versuchen.

Der Amerikaner ist weit mobiler als der Durschnittseuropäer. Im letzten Monat sind fünf Bekannte umgezogen, und eine weitere Handvoll beschäftigt sich aktuell intensiv mit solchen Plänen und ist auf Apartment Suche. Am meisten beeindruckt hat mich C. An einem Freitag erhielt sie die Nachricht, dass sie an eine renommierte Universität in Philadelphia aufgenommen wurde, um ihren Doktortitel im Bereich der Krebsforschung zu erhalten.

14 Tage später war New York passé und der Umzug ins neue Leben vollzogen. Dieses spielt sich nun in Phily zwischen Vorlesungen, Bibliothek, Labor und Selbststudium ab - täglich, und zwar von morgens früh bis morgens früh... Der Vorteil dieses Engagements ist, dass man auch zu unchristlichen Zeiten "Hallo" sagen kann - was ich nun gleich mal tun werde.

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