Gestern war ich im Kino. Auf "Observe and Report" war meine Wahl gefallen, relativ kurzfristig. Um 19:25 Uhr schaute ich mir auf Google an was es im Angebot hat, 5 Minuten später war ich unterwegs Richtung Broadway, der Film war auf 19:40 Uhr angesagt. Viertel vor Acht an der Kasse, und genaus als das Intro startete versenkte ich mich im Sessel.
Der Film war halbwegs lustig, und mir wurde klar was ich an den Amis so liebe: jeder hat seinen Traum, und auch wenn er hundertmal auf die Schnautze fällt hört er nicht auf zu träumen. Und jeder kennt jemanden der "es" geschafft hat.
Nach dem Film setzte ich mich am Union Square auf eine Bank und nahm die Aufforderung "Observe and Report" wörtlich. Neben mir die kichernden Girls, die sich die Stories vom letzten Vollrausch erzählen. Auf der anderen Seite die Oma, die auf der Strasse lebt und sich gerade in eine Kinderdecke eingepackt hat, um ein wenig zu schlafen - ihre Habseligkeiten fest umschlungen. Ob ich mich daran gewöhne dass so viele Menschen auf der Strasse leben, betteln, schlafen, kaputt gehen? Etwas weiter vorne der junge Mexikaner, auch er seit kurzem "homeless", der noch einen tiefen Zug von seinem Joint nimmt und keinen taufrischen Eindruck mehr macht.
Die hübsche Latina drückt der kleinen Tochter ein paar Pennies in die Hand, damit diese sich etwas wünschen kann vom Wunschbrunnen. Ein Pferd soll es sein, wer hätte das gedacht. Die Pennies sind weg, die Wünsche bleiben - und das Teekränzchen der älteren Frauen neben mir rückt noch ein paar Münzen für die Kleine hervor. Direkt vor dem Eingang der Subway hat eine Handleserin ihr Tischen aufgestellt und erzählt ihrem Kunden, wie er sich in dieser Monsterstadt am besten durchschlägt.
Eine Handvoll Musiker haben sich hinter dem Brunnen getroffen und geben sich ihrer Passion hin, es gefällt. Eine ganze Familie ist nun vor dem Wunschbrunnen eingetroffen, die Pennies tauchen ab. Mit geschlossenen Augen wird gewünscht, und im selben Moment kommt der Skateboarder angefahren und slidet über die Steinstufe des Brunnens. Jedem sein Revier.
Ich bin meine Pennies bereits ein paar Blocks vorher losgeworden, an jeder Ecke gibt es gute Gründe. Auf dem Nachhauseweg höre ich, seit langem das erste Mal auf der Strasse, schweizerdeutsche Brocken. "...s wird viu Lüüt ha." Scharf beobachtet.
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