Dienstag, Dezember 16, 2008

PHW Days 2008 Bern: Vortrag Finanzierungskrise und Ökopolitik von Prof. Dr. Friedrich „Bio“ Schmidt-Bleek

Die Laudatio von unserem Studienleiter Peter Link zeigt seine Wertschätzung vor der Koryphäe Prof. Dr. Friedrich „Bio“ Schmidt-Bleek. Die Vorschusslorbeeren sind mehr als berechtigt, wie ich rasch feststelle – der ältere Mann betritt die Bühne und legt energisch los.

Wer dem Club of Rome vorwerfe, seine Voraussagen aus dem Jahre 1973 seien falsch wird eines besseren belehrt – dem sei nicht so, diese waren genauer als alle Wirtschaftsvoraussagen der Wirtschaftsweisen!

Doch sei die aktuelle Öko Diskussion einseitig, früher hätte man Asbest, Blei etc. verteufelt, nun hat das CO2 die Schwarz-Peter Karte. Es sei eine singuläre politische Diskussion gegen den CO2 Ausstoss der Autos, diese 110 jährige Fossiltechnik. Wir optimieren mit dieser Diskussion die eigene Mausefalle – anstatt den ökologischen Gesamtkontext anzuerkennen und integral anzugehen! Es werde deshalb mit dem World Resource Forum eine Gegenveranstaltung zum World Economic Forum aufgebaut.

Der Grundfehler der Menschheit liegt im „Selling of nature“, die Natur kann zum Nulltarif „verkauft“ werden ohne einen Beitrag an die Ökologie leisten zu müssen! Logischerweise spart niemand dort, wo er nichts bezahlen muss. Ein Markt, der politische Gegebenheiten nicht beinhaltet, wird zwangsläufig nach unten optimieren - es muss sich schliesslich lohnen für das Individuum!

Doch das notwendige Systemwissen dieser Zusammenhänge wird heute nicht verbreitet an den Schulen, dafür macht man aufgrund der Resultate der PISA Studie auf Panik. Ein lesenswertes Buch schlägt Bio den lauschenden Studenten vor: Bernd Meyer, Fischer Verlag „Wie die Wirtschaft umgebaut werden muss“.

Wir müssen versuchen, eine Wirtschaft so einzurichten dass die (Dienst)leistung der Natur geschützt wird. Der Umweltschutz ist eben nicht ein Gesundheitsschutz für die Menschen! Wir erkennen ein Problem, und dieses wird dann bekämpft – wie das Beispiel CO2. Der Wohlstand wird antiökologisch produziert (ein Neugeborenes in Sambia braucht einen 40igstel weniger Ressourcen als ein Single in Köln), der Kernfehler dabei ist der übermässige Ressourcenbedarf um Wohlstand zu schaffen. Für alles was produziert wird, wird viel zu viel Natur verbraucht!

Doch was kann der Einzelne dafür oder dagegen tun? Nebst dem bewussten Umgang mit den Ressourcen fällt es schwer, wirklich einen signifikanten Einfluss nehmen zu können, denn: Das Entscheidende muss die Politik tun, nicht die Verbraucher. Oder um es mit den Worten von Peer Steinbrück zu sagen: wenn es in der Finanzwelt brennt müssen wir löschen – egal ob das Feuer gelegt wurde oder nicht. Die wichtigen Zusammenhänge können nur durch Massenmedien transportiert werden.

Was soll nun angepackt werden?



  1. Technik, um mit weniger Ressourcen mehr zu erreichen
  2. Subvention vom Staat, mit aktuellen Leitplanken in der Wirtschaft wird es nicht gehen
  3. Ökologie muss besser in Ausbildung, Bildung integriert werden

Alternativ könnte auch Gentechnik dabei helfen, dass wir alle 30cm klein sind und weniger Ressourcenbedarf haben.

Und wie wird die Welt im Jahre 2050 aussehen?

  • Generell muss die Gesellschaft mit weniger Ressourcen betrieben werden können als heute (heute 5-6 Tonnen CO2 Ausstoss pro Jahr und Person, in Zukunft nicht mehr als 2 Tonnen)
  • Flüsse müssen zurückgebaut, die Zersiedelung muss reduziert werden (Folge davon: Kapitalvernichtung) um Transportwege zu minimieren. Damit steht mehr Land für natürliche Entwicklung zur Verfügung.
  • Natürliche Ressourcen sind teurer.
  • Arbeit und Freizeit wird anders gestaltet sein, die Menschen werden weniger Arbeiten und mehr Freizeit haben
  • Arbeit wird auch billiger, das Steuersystem wir anders aussehen (Warum wird bspw. Arbeit besteuert und nicht Ressourcen?!)
  • Erziehung wird ein anderes Niveau haben und viel internationaler sein.
  • Die Bevölkerungszahlen nehmen ab Ende dieses Jahrhunderts ab – der Ausbildungszustand des Individuums muss höher werden.

Mehr unter http://www.factor10-institute.org/.

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