Ein gelungener Auftritt hat Urs Wälchli hingelegt, so viel vorne weg! Da kommt der junge Profax, gerade 30 Lenze, und erzählt uns dass Unternehmen auf die ewige Jugend hoffen, sich zur lahmen Ente entwickeln und einen (plötzlichen) Tod sterben – nicht immer, aber fast.
Als positive Beispiele seien Nokia (vom Zellstofflieferanten 1885 zum Handyhersteller) und 3M genannt (ursprünglich Betreiber einer Amarylmine im Jahre 1902), die sich weiterentwickeln konnten. Von den Forbes 100 Unternehmen aus dem Jahre 1917 überlebten aber nur 39 die nächsten 70 Jahre, nur 2 davon waren besser als der Markt (Kodakt und General Electric).
Die anekdotische Evidenz zu diesem Beispiel: das Buch „Visionary Companies - Built to last“, gebaut für die Ewigkeit, zeigt dass bereits 10 Jahre nach Erscheinen des Buchs die Hälfte dieser Unternehmen dramatisch an Ruf und Performance eingebüsst hat. Mit zunehmendem Alter lernen Unternehmen, ihre Aufgaben besser zu erfüllen. Gleichzeitig nimmt aber auch ihre Flexibilität ab und ihre Ausstattung verliert an Wert. Eine Spezialisierung wirkt sich positiv auf die Performance aus, die Unternehmensgrösse hingegen nicht.
Fazit: Ewige Jugend ist leichter gesagt als getan
- Nur wenige Unternehmen schaffen eine Verjüngung
- Nur wenige Unternehmen werden wirklich alt
- Wirklich alte Unternehmen sind meist in alten (geschützten) Industrien tätig
- Vergangener Erfolg ist kein Garant für die Zukunft (Ist Erfolg gar das Todesurteil?)
Von knapp 8000 gestorbenen Unternehmen „starben“ diese in 70% der Fälle durch Übernahmen, in 30% wg. Verzug (Konkurs,…). Generell sterben jährlich ca. 9% der Unternehmen.
Die Vorzüge des Alters sind eine höhere Lebenserwartung, gestützt durch folgende Faktoren:
- Lerneffekte
- Bekanntheit
- Verschiedene Standbeine
- Reserven
Die Nachteile des Alters dürfen aber nicht ausser Acht gelassen werden:
- Bestehende Anlagen verlieren im Zeitablauf an Wert
- Bürokratie, Prozesse, organisatorische Starrheit
Je älter Unternehmen werden, desto höher ist ihre Lebenserwartung – bis ca. 40 Jahre, dann steigt die Sterberate. Ab dem 19. Lebensjahr schaffen Neuinvestitionen zum Beispiel keinen Mehrwert mehr, und ab dem 20. Lebensjahr fällt die Gewinnmarge unter den Branchendurchschnitt.
Conclusio: Survival of the fittest, Surival of the fattest. Aber hohes Alter führt in jedem Fall zum Tode. Je älter ein Unternehmen, desto geringer die Performance (verglichen mit einem „identischen“ Unternehmen, welches an die Börse geht) – und diese verbessert sich auch nicht mehr! Erst nach 47 Jahren gibt es einen Wendepunkt.
Aber was bedeutet eigentlich „Unternehmensalter“, resp. wie wird dieses bestimmt? Am Beispiel „Microsoft“ wird kurz aufgezeigt, warum das nicht ganz einfach ist. Das Gründungsalter ist hier 33 Jahre, das Börsenalter 14 Jahre.
- 1975 „Microsoft“ wird erstmals erwähnt
- 1977 Partnerschaftsvereinbarung
- 1981 Gründung als AG1986 Börsengang
1/2 der Unternehmen stirbt vor dem 10 Lebensjahr (börsenkotiert!), 3/4 vor dem 20. Lebensjahr. Am längsten überleben Unternehmen aus dem Lebensmittelbereich (1/3 der ältesten Unternehmen, wovon 60-70% Alkohol Hersteller sind - in der Schweiz sind rund 12% der ältesten Unternehmen Wein und Bier Produzenten).
Ein Branchenwechsel eines Unternehmens kommt sehr selten vor, im Schnitt auf knapp alle 30 Unternehmen, was einer Quote von 3.6% entspricht. Und falls ein solcher Wechsel erfolgt, dann meist in eine verwandte Branche (91.4%).
Was gibt es für ein Patentrezept um diesen Zyklus zu durchbrechen, wollte ich wissen? Die Antwort: Das Übel beginnt, wenn man sich auf dem Erfolg ausruht und wenn die Identifikation der Mitarbeitenden mit dem Unternehmen sinkt, sprich die Diskrepanz zwischen Management und Belegschaft steigt. Obsiegen somit die Top Performer, getreu der Maxime „Survival of the fittest“?
Ja, aber: die überlebenden Unternehmenden sind die tüchtigsten aus eine Gruppe von „lahmen“ Unternehmen! Unternehmen tappen oft in die Falle, Dinge zu replizieren worin sie gut sind – auch wenn der Markt vielleicht gar kein Interesse daran hat.
1 Kommentar:
"Unternehmen tappen oft in die Falle, Dinge zu replizieren worin sie gut sind – auch wenn der Markt vielleicht gar kein Interesse daran hat."
Menschen auch. Da wird es nur schneller offensichtlich.
Kommentar veröffentlichen