Dienstag, April 22, 2008

Swisscom Generalversammlung - mittendrin statt nur dabei!

[Swisscom] lässt den Kunden nie ---NIE--- hängen! sagt Dr. Anton Scherrer einleitend. So tönte es heute eindringlich an der heutigen Generalversammlung (Medienmitteilung hier) der Swisscom im Hallenstadion in Zürich. Ich war das erste Mal an einem solchen Anlass, aber bestimmt nicht das letzte.

Die letzten Jahre hatte ich mir das online reingezogen, aber das „in echt“ Erlebnis ist schon besser. Da sieht man Kollegen, die nun ihre Pensionierung geniessen, einer Herausforderung ausserhalb Swisscom nachgehen oder auch Weggefährten aus den letzten Jahren. Also verzeiht wenn ich meine objektive Brille heute zu Hause gelassen habe, als Grossaktionär und Swisscom Mitarbeiter muss man schliesslich seinen Pflichten nachkommen.

Ich war der einzige im ganzen Saal mit 1600 Personen, der sich elektronisch Notizen machte. Um „Live Blogging“ bei einer Swisscom GV zu institutionalisieren wird es bei der zugegenen Klientel wohl noch ein paar Helppoint Ausbildungen benötigen. Ich denke, der Altersdurchschnitt war tendenziell hoch, analog zur Vermögensstruktur der Schweizer Bevölkerung.

Ein paar Take aways:

Kunden

  • Der Privatkunde nutzt in seinem täglichen Leben drei zentrale Geräte: ein Handy, einen PC und den Fernseher (Man merke: das Festnetz-Telefon wurde nicht explizit erwähnt). In Zukunft werden alle Kommunikationsmöglichkeiten auf allen Endgeräten zur Verfügung stehen. Swisscom hat den Anspruch, diese technologische Komplexität so einfach wie möglich zu machen für seine Kunden!
  • Für die Geschäftskunden spielt das Telekommunikationsnetzwerk eine zentrale Rolle und wird immer bedeutender – sprich: es ist das Rückgrat des Unternehmens. Die Sicherheits- und Qualitätsanforderungen steigen, Swisscom will deshalb das globale Angebot ausbauen.
  • Service Champion will Swisscom werden. „Was müssen wir verbessern bei unseren Leistungen, um jeden Kunden davon zu überzeigen, dass Swisscom der beste Anbieter ist?“, fragt Carsten Schloter. Das Swisscom Management hat hohe Erwartungen an das Thema Service und seine Mitarbeitenden.
  • Die Dienstleistungskultur des Unternehmens sei zu verstärken, sagt Anton Scherrer, es brauche dafür aber keinen Kulturwandel, weil schon heute eine ausgeprägte Kultur vorhanden sei! Als Beispiel wurde ein weiterer Ausbau der Dienstleistung kürzlich lanciert: Swisscom hilft dem Kunden neu auch zu Hause, bspw. bei Computerproblemen.
  • Neuer Markenauftritt und Logo: Generell wenn es ums Design geht hat jeder seinen Senf dazuzugeben - mich und andere eingeschlossen. Carsten Schloter erläutert, dass ein neuer Auftritt zum Teil notwendig war. Ein eigener Auftritt pro Gruppengesellschaft hatte auch separate Werbebudgets zur Folge, die Kostenersparnisse der neuen Marke seien deshalb im ersten Jahr höher als die Investition in das neue Erscheinungsbild. Obwohl der einzige Votant aus den Aktionären, Herr Struchen, meinte es sei „hässlich“ und sehe aus wie eine Mischung aus „Feige, Zewtschge und Erdbeere“ (NB: Herr Struchen's Auftritt war das Highlight der GV, er hatte die Lacher auf seiner Seite und betonte trotz Kritik auch was Swisscom gut gemacht hat). Augenfällig war ausserdem die neue Swisscom Bekleidung. Farblich passend, stark körperbetont und deshalb nicht in jedem Fall die bestmögliche modische Wahl.
  • By the way, am Flughafen Zürich ist mir dann ein Wandbild in Farbe und Form aufgefallen, welches unter Umständen den Expertern von Moving Brands (die Agentur, die das neue Markekonzept mitgestaltet hat) bei ihrer Ankunft aus London zur Inspiration ins Auge gestochen ist.

Zahlen

  • Swisscom hat rund 5.3 Millionen Festnetz Anschlüsse, wovon letztes Jahr über 170 000 neue Anschlüsse dazukamen. Der Wettbewerb spielt und macht Swisscom fit, also nicht grad nach Regulierung schreien ;-). Pro Jahr werden rund 260.- CHF pro Anschluss investiert, die in Rechnung gestellte Grundgebühr von 25.- auf 12 Monate schlägt dann mit 300.- Einnahmen zu Buche.
  • Im Bereich Mobilfunk sind über 5 Millionen Kunden verzeichnet, ein Zuwachs von rund 375 000 Kunden – über 2.2 Millionen Kunden nutzen das Liberty Abo, 460 000 das M-Budget Abo.
  • 30% aller Digital TV Kunden sind bei Swisscom, womit Bluewin TV über 70 000 Abonnenten hat.
  • Das über das Festnetz transportierte Datenvolumen im Internet hat sich vervierfacht, im Mobilfunk war eine Verdreifachung des Volumens zu beobachten.
  • Stellenbestand: Im Bereich Kundenservice, Fernsehen und Shops wird es mehr Stellen geben (Stichwort: Service Champion), im Bereich Auskunftsdienst wird der Bedarf geringer.
  • Entlöhnung: im Sinne der Corporate Govornance hat Swisscom bereits ab 2001 die Bezüge von Verwaltungsrat und Geschäftsleitung separat ausgewiesen. Die Entlöhnung beträgt für den VR. 2,1 Millionen, wovon 2/3 in bar und 1/3 in Aktien zur Verfügung gestellt werden. Die Konzernleitung erhält 11.5 Millionen, wovon 1.7 Millionen an den CEO Carsten Schloter ausbezahlt werden.

Alles in allem ein spannender Anlass, wir sehen uns nächstes Jahr - 21.4.2009 heisst das Stichdatum - und an Kollege Müller: Termin schon mal reservieren, gell!

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