
Was die Spatzen von den Dächern pfiffen wollten wir nicht wahrhaben. Swisscom ohne Jens Alder? Unvorstellbar! Aber seit
jetzt und heute Realität.
Jens Alder tritt als CEO von Swisscom zurück und verlässt das Unternehmen. Mit ihm geht ein Stück Identität und Selbstvertrauen von Swisscom. Und das schmerzt.
Ich habe immer grosse Stücke auf meinen Swisscom Boss gehalten. Eloquent, intelligent, gebildet, mit Schalk und einem verschmitzten Lächeln - so habe ich ihn wahrgenommen.
Mein persönlicher Kontakt belief sich leider nur auf ein flüchtiges "Grüessech Herr Alder" auf der Toilette und der Teilnahme an einigen CEO Roadshows. Seit 8 Jahren bin ich bei Swisscom, und habe die Karriere von Jens Alder und die Entwicklung des Unternehmens hautnah miterlebt. Es wurde viel erreicht - und gibt noch einiges zu tun. Was aber in den letzten Monaten passiert ist, sprich die Schachzüge und das Taktieren der Regierung, hat für mich einen schalen Nachgeschmack und letztendlich zum Bauernopfer Jens Alder geführt.
Lieber Jens Alder, ich hoffe Du schaust stolz auf das Geleistete zurück und voller Vertrauen in die Zukunft, getreu nach dem Motto: "Life is a journey, not a guided tour."
Doch genug der Lobhudelei - der geneigte Leser wird in diesem Fall meine Emotionen sicherlich goutieren. Wie geht's nun weiter mit Swisscom?

Carsten Schloter, früherer CEO von Swisscom Mobile, wird ab nun die Geschicke und Geschichte von Swisscom prägen. "Wenn nicht er, wer dann" - sagt mancher, insbesondere natürlich meine Kollegen von Swisscom Mobile ;-). Ein herausragender
Leistungsausweis und nicht zuletzt sein fliessendes Französisch haben ihn auf den Chefposten gehievt.
Seine deutsche Herkunft wird ihm kein Bein mehr stellen, inzwischen ist er in der Schweiz praktisch assimiliert und hat Swisscom Mobile zu einem festen Wert in der Mobilfunkbranche etabliert. In Zukunft hat Swisscom mit Carsten Schloter an der Spitze auch noch
einiges vor im Schweizer ICT Markt.
Das Sesselrücken geht nun los, denn wie jeder andere neue CEO wird Carsten Schloter ausgewählte Positionen neu besetzen und die Schaltzentrale nach seinen Vorstellungen einrichten - wir dürfen vor allen Dingen gespannt sein, wer neuer CEO von Swisscom Mobile wird. Vielleicht ein Topkader Mitglied der Swisscom Gruppe, ein Externer - oder rutscht gar jemand aus seinem bisherigen Führungsteam nach?
Die nächsten Wochen und Monate werden es zeigen. Doch wie kam es eigentlich zum Eklat, dass Jens Alder den Sessel räumen muss?
- Seit geraumer Zeit prüfte Swisscom, ihre finanziellen Mittel in verwandte Märkte zu investieren. Eine Übernahme von ausländischen staatlichen Telekomfirmen wie Cesky Telecom, Telecom Austria und vor einigen Wochen Eircom scheiterteten aber immer.
- Das öffentliche Veto des Bundesrats gegen den Kauf der irischen Eircom führte dazu, dass neue strategische Ziele für Swisscom definiert wurden - Auslandsbeteiligungen an Grundversogern (also dort wo Swisscom sich auskennt...) kommen nun nicht mehr in Frage.
- Der Bund möchte auch die Mehrheitsbeteiligung an Swisscom loswerden und damit die Staatskasse mit einer Finanzspritze beglücken. Dies hat faktisch eine Privatisierung der Swisscom zur Folge - sofern das Volk dafür grünes Licht gibt. Wer sich den tauchenden Aktienkurs in der Grafik im Vergleich mit dem SMI anschaut versteht die Regierung nicht, denn der forcierte Rücktritt von Jens Alder wird nach dem eh schon gesunkenen Vertrauen der Anleger zu einer gewaltigen Wertvernichtung führen.
- Zudem steht ein neuer Verwaltungsratspräsident ins Haus, denn Markus Rauh (links im Bild mit roter Krawatte) wird von Anton Scherrer (rechts), ehemals Migros Chef, abgelöst. Jens Alder und Markus Rauh haben in den letzen Jahren gemeinsam das Unternehmen Swisscom durch schwierige Zeiten manövriert, doch die Sparringspartner wechseln nun.
Unter diesen Bedingungen scheint ein Jens Alder nicht mehr glaubwürdig die Interessen von Swisscom vertreten zu können. Nachdem er in den letzten Jahren für eine Auslandsinvestition gekämpft hat müsste er jetzt vor Mitarbeitenden, Politik und Investoren eine 180° andere Meinung verkünden.
Eine Ära geht zu Ende, möge eine neue beginnen!