Mittwoch, April 26, 2006

Mein Amerika Roadtrip – Die Seele baumeln lassen in San Diego

Nun haben wir den letzten Ort unserer Reise erreicht, San Diego, direkt an der Grenze zu Mexiko. Und das spürt man! Spanisch ist sozusagen die zweite Amtssprache. Überall wo wir hingekommen sind haben wir Mexikaner angetroffen, oftmals in schlechtbezahlten Jobs. Ohne diese teilweise illegalen Einwanderer würde die Wirtschaft von Kalifornien, der 5. grössten Wirtschaftsmacht der Welt, kollabieren.


Die Schere zwischen Arm und Reich klafft hier stark auseinander, und der Unterschicht sieht man an, dass sie sich schlecht ernährt. Es ist auch nicht ganz einfach, sich in Amerika ausgewogen zu ernähren.

Unser Biogemüse, dem man hier „organic“ sagt, findet man nur sehr schwer. Wir haben in den Restaurants auch nicht immer auf Anhieb fleischlose Gerichte oder Gemüse entdeckt, und die riesigen Portionen verleiten dazu, den Teller leer zu Essen obwohl der Kopf schon gemeldet hat, dass der Bauch satt is(s)t. Dankbar sind da die Doggie Bags, man kann sich die Resten immer einpacken lassen und nach Hause mitnehmen.

Doch zurück zu San Diego. Wir haben das nette Hotel „La Pensione“ gleich beim Tor von Little Italy als Domizil auserkoren. Von hier aus haben wir dieses Quartier erkunden können, eine bunte Mixtur aus Nostalgie von gestern und Energie von heute. Frank Sinatra trällert hier genauso wie Eros Ramazotti aus den Lautsprechern, die Strasse ist von einem feinen Knoblauch Duft und frischem Kaffee erfüllt.

Nachbarn sitzen wie alte Mafiabosse auf der Veranda und schauen amüsiert dem bunten Treiben zu, während dem wir uns durch die feinen Restaurants, Gelaterias, Bakerys und Kaffees durchschlemmen. Ein gemütliches Fleckchen, schade dass wir das „Annual Art Walk Festival in Little Italy“ (bei welchem über 300 Künstler ihre Werke den 70-80 000 Interessierten präsentieren) genau um einen Tag verpassen…



Wir machten uns auch auf ins Gaslampenquartier (die Antwort der Westküste auf SoHo ;-) ) um den historischen Distrikt mit seinen viktorianischen Häusern anzusehen. Wie so oft auf unserer Reise begegneten uns hier viele Obdachlosen auf der Suche nach etwas Kleingeld. Einer spielte Gitarre, ein anderer schleppte brüllend seine Plastiksäcke durch die Strassen, einer bettelte während wieder andere nur noch mit einem Schild am Boden kauerten oder bei den Autos vor den Ampeln vorbeiliefen und auf eine milde Gabe hofften. Für mich waren die vielen Obdachlosen das Erschreckendste auf der ganzen Reise, das habe ich wirklich nicht erwartet.

Am nächsten Tag besuchten wir mit dem Trolley die Altstadt, „Old Town“, hier wurde San Diego gegründet. Old Town wirkt wie ein Schritt zurück in den Wilden Westen. Früher lebte ein Stamm der Kumeyaay Indianer hier, bevor die Spanier 1769 die Stadt gründeten. Heute findet man hier eine farbenfrohe Mischung an Läden und Restaurants, eingebettet in die alten Häuser (mit Original Einrichtung) und den schönen grünen Park. Ein guter Ort, um ein bisschen das Erlebte nieder zu schreiben – und die Seele zu mexikanischer Musik baumeln lassen!






Mein Amerika Roadtrip – Palm Springs, coole Schlitten und der Nationalstoz der Amerikaner

Nur noch ein paar Tage sind wir unterwegs, dann geht’s zurück ins Schweizerländle. Um ein bisschen zur Ruhe zu kommen haben wir noch ein paar Tage am Meer in San Diego geplant. Auf dem Weg dahin suchten wir in Palm Springs ein Nachtquartier, was uns fast zur Verzweiflung brachte.




In den ersten 5 Hotels war alles ausgebucht und dann schnappte mir beim sechsten Versuch eine rassige Mitteldreissigerin das letzte Zimmer vor der Nase weg. Das Angebot der Dame, das Zimmer mit mir zu teilen musste ich ausschlagen, da meine bessere Hälfte bereits im Auto auf mich wartete. Doch wir hatten Glück: im „Motel 6“ fanden wir noch das letzte Zimmer, welches speziell für Behinderte eingerichtet ist. Das einzige Problem war das Bett, welches doch etwas klein geraten ist für zwei Personen. Man merke: wer am Wochenende in grösseren Städten übernachten will sollte rechtzeitig reservieren und sich auf saftige Zuschläge gefasst machen. Einfacher ist es am Wochenende in kleineren Orten abzusteigen – das spart Geld und Nerven.

Am nächsten morgen machten wir uns bei Zeiten auf den Weg. Gleich nach Verlassen der Stadt sahen wir dutzende von riesigen, vom Wind angetriebenen Propeller, welche wohl für die Energieversorgung von Palm Springs genutzt werden. Ein paar Meilen später landeten wir wieder in einem Outlet Store, was mir ein bisschen Zeit zum Bloggen verschaffte, während frau sich ins Getümmel warf.


Vor der Weiterreise nach San Diego legten wir nochmals einen Zwischenstopp in Long Beach ein, da wir unbedingt nochmals in „George’s Greek Cafe“ griechisch essen gehen wollten. Davor gab’s den obligaten Kinofilm, wir sahen uns „The Sentinel“ an. Spannender Thriller über einen Agenten des Secret Service (gespielt von Michael Douglas), der einen Mordkomplott gegen den amerikanischen Präsidenten vereitelt. Danach genossen wir das feine Essen bei George und staunten darüber, dass man sich an uns Schweizer erinnerte. Die mitgebrachte Toblerone wurde mit Wonne verzehrt und das Papier der Schoggi als Beweis für die Freunde aufbewahrt, dass man "real swiss made chocolate" erhalten hatte!











Themenwechsel. Die Amerikaner fahren geile Autos, von riesigen Pick Ups über familientaugliche Vans bis zu schnittigen Flitzern gibt’s alles, und meist sehen die Vehikel recht neu und komfortabel aus. Im Land der Blechlawinen ist das Auto also fast wie das zweite Zuhause, da würde ich mich wohl auch entsprechend ausstatten. Mein nächstes Auto wird wohl kein Hummer sein, aber für einen schnittigen Bentley (siehe unten)könnte ich mich sehr begeistern. Bekommt man die bei uns in der Schweiz eigentlich auch irgendwo? Die Strassen haben auch einige nette Eigenheiten, zum Beispiel im Teer eingelassene Rillen – wer über die Randline rausfährt wird sofort durch das laute Knattern der Reifen wieder zur Konzentration aufgefordert. In der Mitte der Strassen findet man oft kleine Erhebungen, welche die Spuren voneinander abtrennen und in der Nacht reflektieren und so den Weg weisen. Parkieren kann man (fast) überall, aber niemals dort wo der Randstein rot eingefärbt ist, und bei Gelb ist nur eine Einsteige- und Umladezone.














Nebst der Autovernarrtheit der Amerikaner ist mir auch der Nationalstolz aufgefallen. An jeder Ecke findet man die „Star spangled banner“ Flaggen, die Leute laufen mit T-Shirts rum (Proud to be an american, American by birth, Support our troops,…) und kleben sich Sticker auf die Autos. In Übersee sind manche Dinge schon etwas anders als bei uns ;-).

Dienstag, April 25, 2006

Mein Amerika Roadtrip – Der Grand Canyon, die Indianer und der Lake Havasu

Am nächsten Tag besuchten wir nochmals den Grand Canyon. Die Native Americans, die man hier nicht Indianer nennt (genauso wie man die Schwarzen nicht „black people“, sondern AfroAmericans nennt) verkauften auf dem Weg dahin an Strassenständen ihre Produkte, oftmals original importiert aus Asien…

Es ist erschreckend, dass die Ureinwohner von Amerika ein Dasein am Rand der Gesellschaft führen. Bei dem untenstehenden Bild „Homeland Security – fighting terrorism since 1492“ bleibt einem das Lachen im Hals stecken.

Der südliche Grand Canyon ist wirklich riesig und mit seinen Dimensionen beeindruckend, 90% der Besucher des Nationalparks kommen nur hierhin. Im Gegensatz zum Bryce Canyon wartet er aber nicht an jedem Aussichtspunkt mit einer neuen Attraktion auf.

"Der Grand Canyon (Gewaltige Schlucht) ist eine steile, etwa 450 km lange Schlucht im Norden des US-Bundesstaats Arizona, die über Millionen von Jahren vom Fluss Colorado ins Gestein des Colorado Plateau gegraben wurde. Der größte Teil des Grand Canyon liegt im Grand-Canyon-Nationalpark. Der Canyon zählt zu den großen Naturwundern auf dieser Welt und wird jedes Jahr von rund 4 Millionen Menschen besucht." (Quelle: Wikipedia). Wir genossen die Aussicht sowie die Tierwelt und machten uns nach einem Imbiss auf zu neuen Schandtaten.



Nach fast 6 Stunden Fahrt erreichten wir nach Einbruch der Dunkelheit den Lake Havasu. Bis dahin hatten sich Tausende von kleinen Fliegen mit unserer Windschutzscheibe gemessen und dabei den Kürzeren gezogen, obwohl sie das eigentlich hätten kommen sehen müssen. Der Lake Havasu ist sehr schön inmitten von Bergen eingebettet, bei uns würde man dem „Naherholungsgebiet“ sagen.

Die Temperaturen waren auch ganz nach unserem Geschmack, richtig sommerlich warm. Schwieriger war es, ein freies Hotel zu finden. Nach dem wir eine Stunde rumgekurvt waren landete wir per Zufall im „Sands Resort“ und staunten nicht schlecht, als sich unser Zimmer als geräumiges Appartement herausstellte, mit Sofa, Küche und Tisch! In der Nacht habe mich auf der Suche nach der Zimmertüre fast im begehbaren Kleiderschrank eingesperrt ;-). Sache gits…

Montag, April 24, 2006

Mein Amerika Roadtrip – Get your kicks on Route 66

Unser TomTom Navigationsgerät lotste uns zuverlässig zu allen "Points of interest", ob das nun Tankstellen, Hotels, Supermärkte oder Touristenattraktionen waren.


Ohne dieses Wunderwerk der Technik hätten wir sicherlich Stunden mit Durchfragen und Rumkurven verbracht, doch so landeten wir meist auf Anhieb genau da, wo wir hin wollten. Ich bin überzeugt, dass in Zukunft standortbezogene Dienste an Wichtigkeit gewinnen werden. Im Moment steigen die Benzinpreise in Amerika, und der ganzen Nation stockt der Atem. Da helfen Internetseiten wie http://www.gasbuddy.com/ dabei, die günstigste Tankstelle in der Umgebung zu finden. Solchen Internet Diensten, kombiniert mit meinem aktuellen Standort, gehört die Zukunft. Zum Beispiel: Sobald ein Hotel oder ein Restaurant in meine Nähe kommt, sehe ich, wie andere Gäste dieses bewertet haben und ob sich gerade Personen aus meiner Adresskartei dort aufhalten. Die Zimmeraustattung- und preise werden mir natürlich auch angezeigt (bspw. direkt von der Website http://www.hotels.com/), das selbe gilt für die Speisekarte des Restaurants. Natürlich ist dies alles Zukunftsmusik, aber die Zeichen zeigen klar in diese Richtung.

Doch genug prognostiziert. Wir fuhren ein Stück auf der Route 66. Hier trafen wir mehr Biker an als in den letzten drei Wochen zusammen. Diese Spezies erkannte man an den Raststätten sofort an ihrer Lederkluft und den sonnenverbrannten Gesichtern. Überall konnte man Souvenirs der Route 66 kaufen, oft völlig überteuert. Ich freue mich darauf, die Route 66 bei nächster Gelegenheit an einem Stück zu befahren, quer durch Amerika.



Wieder mal ein reichhaltiges Frühstück bekamen wir am nächsten Morgen in Page am Lake Powell, beeindruckend war übrigens der Staudamm - doch seht selbst!

Als wir unsere Teller gefüllt hatten waren leider bereits alle Tische besetzt. Da anerbot uns ein älteres Ehepaar mit Ihnen zu Frühstücken. Claudine und Bernie waren auf dem Weg zu Ihrem Sohn an der Ostküste und hatten noch eine lange Fahrt vor sich, was sie aber nicht daran hinderte mit uns ein Stündchen zu plaudern. Sie hatten Europa einige Male besucht, unter anderem auch die Schweiz und wollten sich das Matterhorn ansehen, doch dieses war leider am selbigen Tag in dicken Nebel gehüllt. So gemein, oder? In Bern wurden Sie dann von einem Taxifahrer abgezockt, der sie eine halbe Stunde in der Stadt rumchauffierte, obwohl das gesuchte Lokal nur zwei Strassen vom Hotel entfernt gewesen wäre.

Wir erfuhren viel über ihre Kinder, über die erste Heirat von Claudine in jungen Jahren, die Scheidung wegen einer Affäre ihres Mannes, den Umzug zu ihren Eltern und wie sich die zwei kennen gelernt haben. Claudine arbeite in einem Geschäft und Bernie dachte immer, dass sie bereits verheiratet sei wegen dem Ring am Finger. Claudine zügelte weg, doch die zwei trafen sich ein paar Jahre später wieder bei gemeinsamen Freunden. And they lived happily ever after! Echt romantisch, oder nicht?

Den Grand Canyon erreichten wir am späten Nachmittag. Das Grand Canyon Village im Grand Canyon selbst sowie gleich vor den Toren das Dörfchen Tusayan waren komplett ausgebucht – wenn man von 200 Dollar Suiten absieht… Uns blieb somit nichts anderes übrig als in das 90 Minuten weiter entfernte Städtchen Williams zu fahren.

Eine gute Entscheidung, wir fanden dort nebst einer Übernachtungsmöglichkeit auch ein feines mexikanisches Restaurant, in welchem es saftige Tacos - gefüllt mit Bohnenpaste, dem scharfen „Pico de gallo“ (Tomaten, Zwiebeln und scharfe Pfefferschoten), etwas Salat, Oliven, Avocadocreme und gegrillten Peperoni - gab. Mir läuft gleich wieder das Wasser im Mund zusammen. Abgelöscht wurde die Chose mit einem zuckersüssen Margarita.

Am nächsten Morgen erhielten wir in untenstehendem Diner ein echt amerikanisches Frühstück, was will man da noch mehr?


Mein Amerika Roadtrip – Weiche Knie am Bryce Canyon

„How did they made it?“ fragte ein kleiner Junge seinen Grossvater. Eine berechtigte Frage, angesichts dieser unbeschreiblichen Landschaft. Ich bekam weiche Knie, als ich am Bryce Point dieses faszinierende Panorama sah. Am Horizont erspähte man sogar noch die Rockie Mountains, das sagten zumindest die Ami Familie neben dran. Da meine Geographie Kenntnisse noch Ausbaupotential haben plappere ich das hier einfach mal nach.

"Der Bryce-Canyon-Nationalpark liegt im Südwesten Utahs in den USA. Innerhalb des Nationalparks befindet sich der eigentliche Bryce Canyon, der trotz seines Namens keinen Canyon im eigentlichen Sinne, sondern ein natürliches Amphitheater darstellt. Der Bryce Canyon entstand durch Erosion an der östlichen Seite des Paunsaugunt-Plateaus. Er unterscheidet sich von anderen Canyons durch seine einzigartigen geologischen Strukturen, die Hoodoos, welche durch Wind, Wasser und Eis aus den Sedimenten geformt werden. Die roten, orangefarbenen und weißen Sedimente bieten einmalige Aussichten. Der Bryce-Canyon-Nationalpark befindet sich in einer Höhe von 2400 bis 2700 Metern und liegt damit wesentlich höher als der nahe gelegene Zion-Nationalpark oder der Grand-Canyon-Nationalpark." (Quelle: Wikipedia)












Ich hatte ein paar Audio Hörbücher mitgenommen, so konnte ich mir unterwegs endlich „Der kleine Prinz“ zu Gemüte führen, eine wirklich berührende Geschichte. Interessant war auch als wir uns gemeinsam das Buch „Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken“ von Allan und Barbara Pease anhörten, da gingen uns ein paar Lämpchen auf ;-). Ansonsten freute ich mich natürlich über die zahlreichen Country Musik Radiostationen, welche manchmal für meinen Geschmack zu viel Werbung (Spam! :-) ) sendeten. Wenn das wieder mal der Fall war gibt es nur eins: Radio ausschalten und die tolle Landschaft in aller Stille geniessen!